Zapatistas Ernteverluste

Erst ist auf dem grünen Blatt nur ein kleiner gelber Punkt. Schließlich sind überhaupt keine Blätter mehr zu sehen und die Äste ragen wie nackte Arme in die Luft. Die Roja ist eine Pilzerkrankung, welche Kaffeepflanzen befällt und derzeit für dramatische Ernteverluste verantwortlich ist. Denn in der Folge verliert die Pflanze nicht nur ihre Blätter, sondern auch ihre Kirschen. Rote Früchte, jede enthält nur zwei Kerne, die im zubereiteten Kaffee oder Espresso eine lange Reise hinter sich haben. Sie werden geschält, vom Honigwasser gereinigt, getrocknet, von der Pergaminhaut befreit, sortiert, gelagert und schließlich geröstet und gemahlen, bis sie als Röstkaffee oder Espresso ihr Aroma verbreiten und bei uns in der Wohnung duften.

So eine Tasse Kaffee hätte viel zu erzählen

Auch über soziale Ungerechtigkeiten als Folge der Industrialisierung und des Welthandels. Denn die Ursachen der beschriebenen Pilzerkrankung sind sicher vielfältig, ein wesentlicher Grund für das jetzige Ausmaß der Krankheit ist jedoch auch das wärmere Klima aufgrund des steigenden C02-Ausstoßes der Industrieländer.

Überall in Mittelamerika gibt es Regionen mit massiven Ernteausfällen und katastrophalen Folgen. In der mexikanischen Region Chiapas beklagen die aufständischen zapatistischen Gemeinden in einigen Regionen Ernteausfälle bis zu 75 Prozent. Diese bedrohen nicht nur die ökonomische Autonomie der zapatistischen Kaffee-Kooperativen, sondern stellen auch eine existenzielle Bedrohung für die Kleinbäuer_innen dar. Begünstigt wird die Verbreitung von Pflanzenkrankheiten zudem durch Plantagenwirtschaft und Monokulturen in der Agrarindustrie.

Ist eine Pflanze erst einmal betroffen, ist ohne Einsatz von Pestiziden oft nur nur noch eine Radikalkur sinnvoll. Entfernung oder ein vollständiger Rückschnitt in der Hoffnung, wenigstens angrenzende Kaffeebäume zu erhalten. Erfolge wurden in jüngerer Zeit auch mit dem organischen Besprühen der Pflanzen mit einem Pilz erreicht. Dieser behindert die Verbreitung und das Wachstum der die Pflanze zerstörenden Roja-Pilzerkrankung.

Am Beispiel des Kaffees lässt sich etwas erkennen. Klimaerwärmung und ihre Folgen verschärfen die globalisierte Ungerechtigkeit. In der Geschichte hatten Klimaveränderungen immer auch weitreichende soziale Folgen. Missernten, Hunger, Krankheiten, aber auch Konflikte und Kriege in Folge von Verteilungskämpfen waren mit frühgeschichtlichen Migrationsbewegungen verbunden oder Konsequenzen von Klimaveränderungen wie etwa der kleinen Eiszeit im Mittelalter. Solche Entwicklungen sind auch im Rahmen der aktuellen Klimaerwärmung zu beobachten.

Unwetter und Missernten gab es immer, aber extreme Wetterphänomene und ihre Folgen nehmen zu. Auch Konflikte um den Zugang zu Wasser bergen ein immer größeres Krisen- und Kriegspotential. Hinzu kommt in vielen Regionen der Welt eine zunehmende Austrocknung und Verwüstung, welche den Menschen vor Ort die Lebensgrundlagen raubt und viele zur Migration zwingt. Die Ursachen und Gründe für Fluchtbewegungen sind exportiert, wie Hunger, Krankheit und viele Kriege.

Umso wichtiger ist es, Proteste gegen den Klimawandel nicht nur als Ressourcen- und Umweltschutz zu begreifen, sondern als eine der zentralen politischen Fragen nach Teilhabe und Gerechtigkeit.

Zapatistische und andere indigene Gemeinden haben dies in ihren Kämpfen bereits aufgegriffen. Beim Widerstand gegen die Folgen der Globalisierung und der Forderung nach Bewegungsfreiheit für Refugees lösen sich alte Bilder von Peripherie und Zentrum, „Dritter“ und „Erster“ Welt zunehmend auf.

Während im Norden jedoch nach wie vor das ganz große Geld verdient wird, trägt der Süden immer noch nach wie vor die Lasten dieser Form der Globalisierung. Umso wichtiger ist die Unterstützung von Kooperativen vor Ort und der gemeinsame Einsatz für globale Bewegungsfreiheit. Eine Welt in der Globalisierung die Grenzen auflöst für Menschen, deren Hoffnungen, Träume und Utopien und nicht lediglich für postkoloniale Waren und Kapitalanlagen.