Fördergelder für Blindspots

Squats und Camps auf der Balkanroute

Blindspots leistet direkte und solidarische Hilfe für People on the Move und engagiert sich gegen das europäische Grenzregime. Café Libertad unterstützt die Arbeit des Vereins mit Fördergeldern. Sie dienen der Anschaffung von Feuerholz für Menschen, die im bosnisch-kroatischen Grenzgebiet festsitzen, hier abseits staatlicher Campstrukturen in selbstorganisierten Squats leben und systematischer Gewalt ausgesetzt sind.

Die Situation im Grenzgebiet

Die Region um Velika Kladuša im Nordwesten von Bosnien und Herzegowina hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Ort auf der sogenannten westlichen Balkanroute in die Europäische Union entwickelt. Doch statt lediglich Durchgangsstation auf dem Weg in ein menschenwürdigeres Leben zu sein, ist sie zum Hotspot einer humanitären und politischen Krise geworden, die das europäische und Grenzregime hervorbringt.

Viele Menschen sind unfreiwillig gezwungen, für Wochen, Monate und teilweise Jahre unter extrem prekären Bedingungen im bosnischen Grenzkanton Una-Sana zu bleiben und werden weiter in die Illegalität gedrängt. Auch die Kriminalisierung von Support-Strukturen ist an der Tagesordnung. Nichtregierungsorganisationen, Aktivist:innen und solidarische Privatpersonen, die Unterstützung leisten, sehen sich mit regelmäßigen Kontrollen und Repression konfrontiert.

Ohne angemessene Unterstützung finden sich People on the Move vielfach in einer Art ‚Sackgasse‘ wieder, aus der es kaum einen Ausweg gibt. Der Weg durch die raue Wildnis der Wälder und Berge ist gefährlich. Und angesichts eines massiv hochgerüsteten und bspw. mit Wärmebildkameras ausgestatteten Grenzschutzes ist es eine große Herausforderung, nicht entdeckt und aufgegriffen zu werden. Aber auch das Überqueren der Grenze zur EU bedeutet keine Sicherheit, im Gegenteil.

Illegale Pushbacks

Jeden Tag erleben People on the Move, wie ihnen die kroatischen Sicherheitsbehörden ihr Recht auf einen Asylantrag in der EU verwehren. Stattdessen führen Grenzschutz und Polizei gewaltsame Pushbacks durch, bei denen die Aufgegriffenen illegal nach Bosnien zurückgedrängt oder -gebracht werden. Dabei sind sie körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt und der tagtäglichen Verletzung ihrer Menschenrechte ausgesetzt: Menschen werden geschlagen und misshandelt, ihre Wertsachen beschlagnahmt und Mobiltelefone zerstört. Sie werden dazu gezwungen, sich zu entkleiden, ihre Kleidung und Schuhe anschließend verbrannt.

Die Pushbacks werden von der EU effektiv geduldet und die weitere Aufrüstung der Grenzen finanziell unterstützt. Der systematische Charakter der alltäglichen Gewalt offenbart die Pushbacks als Teil einer politischen Verhinderungs- und Abschreckungsstrategie. Die Menschen sollen demoralisiert, entkräftet und jeglicher Ressourcen beraubt werden, um keine weiteren Versuche zu unternehmen. Und allen, die noch kommen könnten, soll sich vermitteln: Hier führt kein Weg lang, also probiert‘s gar nicht erst!

Aber dadurch sind People on the Move nicht einfach verschwunden. Sie sind trotzdem da.

Squats und Camps

In der Region um Velika Kladuša finden People on the Move oftmals notdürftig Zuflucht in sogenannten Squats. Aufgrund des Bürgerkrieges in den 90er Jahren und der damit verbundenen Abwanderung ins Ausland sind verlasse Gebäude, oftmals in Gestalt baufälliger Ruinen, überall zu finden. Bei den Squats handelt es sich also typischerweise um verlassene Häuser oder leerstehende Fabriken, oftmals aber auch um aus Planen gebaute Zelte.

Gerade in den Zelten sind die Menschen den Witterungsbedingungen ausgeliefert. Im Winter bedeutet das eine lebensbedrohliche Kälte von bis zu minus 20 Grad, bei Hitzewellen im Sommer steigen die Temperaturen auf bis zu 40 Grad im Schatten steigen. Die meisten Squats bieten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Sie verfügen über keine sanitären Anlagen oder Möglichkeiten zur Müllentsorgung. Krankheiten können sich ausbreiten und es kommt zu Konflikten mit Anwohner:innen.  Trotz der prekären Lebensbedingungen, entscheiden sich viele People on the Move dafür, selbstbestimmter in Squats anstatt in den staatlich finanzierten Camps zu leben. Denn die staatlichen Unterbringungen sind nicht darauf ausgelegt, den Menschen in ihrem Sinne weiterzuhelfen. Vielmehr bedeuten sie eine verstärkte Kontrolle des Alltags und sollen selbstbestimmte Migration verhindern.

Erst Ende April 2022 hatten die Behörden zusammen mit europäischen Organisationen das in Velika Kladuša gelegene Aufnahmelager Miral geschlossen. Die Menschen von dort sowie aus umliegenden Squats wurden in das weiter von der Grenze entfernte und 20 km außerhalb der nächsten Stadt gelegene Camp Lipa verbracht. Dieses bietet Platz für bis zu 1.500 Personen, die hier eine Grundversorgung erhalten. Offenbar sollen die ‚Probleme‘ einerseits humanitär abgefedert und andererseits in ihrer öffentlichen Sichtbarkeit reduziert werden. Für die People on the Move bedeutete die neue Massenunterbringung aber eine Zunahme von Konflikten untereinander und eine verstärkte Isolation mitten im Nirgendwo. Beobachter:innen gehen davon aus, dass nicht wenige Menschen wieder an die Grenze zurückkehren und dort (erneut) in Squats leben werden.

Infrastruktur für Autonomie und Selbstbestimmung

Blindspots ist einer der Strukturen, die im bosnisch-kroatischen Grenzgebiet aktiv sind. Gemeinsam mit anderen setzt sich der gemeinnützige Verein für Bewegungsfreiheit, sichere Fluchtrouten sowie in einer Perspektive für grenzenloser Solidarität für ein Ende der Gewalt und die Überwindung des europäischen Grenzregimes ein. Als Mitglied des Border Violence Monitoring Network dokumentiert er die Diskriminierung und die systematische Gewalt, der People on the Move hier ausgesetzt sind, und macht sie öffentlich sichtbar.

Zudem leistet Blindspots einen direkten Support für diejenigen, die in der Region festsitzen gewaltvoll von einer Einreise nach Kroatien und dem Stellen eines Asylantrags in der EU abgehalten werden. Durch eine Deckung von Grundbedürfnissen und die Verbesserung von Lebensbedingungen soll es ihnen ermöglicht werden, eine gewisse Unabhängigkeit von staatlichen Strukturen und Eigenständigkeit wiederzuerlangen.

Die Aktivitäten umfassen neben einem Holz- und Ofenprogramm grundlegende bauliche Maßnahmen in den Squats, die Schaffung von WASH-Strukturen (Water, Sanitation & Hygiene), eine Logistik für die Müllentsorgung sowie Möglichkeiten zur kostenlosen und unabhängigen Rechtsberatung.

Support Support

Die geregelte Bereitstellung von Brennholz, die aktuell auch von Café Libertad mit 3.000 Euro aus dem Störtebeker-Fonds unterstützt wird, ist dabei nicht nur wichtig, um die Bewohner:innen der Squats im Winter vor dem Kältetod zu schützen. Feuerholz ist auch das ganze Jahr über für die selbstständige Zubereitung warmer Mahlzeiten bedeutsam.

Diese Mahlzeiten sind zwischen den versuchten Grenzüberquerungen, um die oft tagelangen und anstrengenden Touren durch den Wald und die daraufhin erfahrenen gewaltsamen Pushbacks zu überstehen und wieder zu Kräften zu kommen. Die permanenten physischen und psychischen Belastungen, denen die Menschen hier ausgesetzt sind, können so zumindest etwas abgefedert und selbstbestimmte Handlungsspielräume erweitert werden.

 

Wenn Ihr die Arbeit von Blindspots ebenfalls direkt unterstützen möchtet, könnt ihr das Spendenkonto des Vereins nutzen:

IBAN: DE26 4306 0967 1245 7180 00
BIC: GENODEM1GLS
Kreditinstitut: GLS Gemeinschaftsbank eG
Kontoinhaber: Blindspots e.V.
Verwendungszweck: BLINDSPOTS

Online: https://blindspots.support
Kontakt: info(at)blindspots.support

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