Am 5.2.2014 haben uns zwei Frauen der Kooperative APROLMA (Asociación de productores Libres de Marcala) aus Honduras besucht. Die Kooperative hat sich letztes Jahr aus der Frauenkooperative COMUCAP gelöst. Hintergrund der Neugründung sind interne Konflikte innerhalb von COMUCAP, die mit den aktuellen politischen Prozessen in Honduras verknüpft sind. Der solidarisch gehandelte Bio-Kaffee und Espresso Las Chonas von Cafe Libertad wird ab Mitte des Jahres daher von der Frauenkooperative APROLMA stammen.

Die Kooperative COMUCAP entwickelte sich aus einem antipatriarchalen, politisch widerständigen Ansatz. Im Laufe der Jahre wuchs die Kooperative stark und veränderte damit auch ihre Zusammensetzung. Aus Sicht linker Frauen in der Kooperative wurde COMUCAP in der Folge mehr und mehr zu einem Sammelbecken von konservativen und regierungsnahen Kreisen. Diese Entwicklung und Konflikte innerhalb der Kooperative wurden befördert durch männliche Berater aus NGO-Organisationen wie Oxfam, welche statt systemkritischen Perspektiven eine ökonomische Ausrichtung in den Vordergrund stellten.

Tatsächlich ließen sich Frauen der neuen Kooperativenleitung mit dem 2013 amtierenden Präsidenten Lobo fotographieren und dies veröffentlichten, obwohl er von den Putschisten eingesetzt wurde und für eine reaktionäre und diktatorische Politik verantwortlich war! Während seiner Regierungszeit hat sich die Menschenrechtslage in Honduras dramatisch verschlechtert, viele Tote sind zu beklagen, darunter Aktivist_innen, die sich gegen die Landnahme für Großprojekte engagierten.

Auch die neu gegründete Partei LIBRE, welche sich aus unterschiedlichen oppositionellen Protestgruppen gebildet hat, wurde im Vorfeld der Wahlen im November letzten Jahres systematisch verfolgt und viele ihrer Anhänger_innen ermordet. Nach der Wahl bleibt Honduras gespalten. Der sich durchsetzenden Regierungspartei wird Wahlbetrug vorgeworfen und der Kampf gegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen geht weiter.

Die Konflikte bei COMUCAP spitzten sich im Herbst 2013 schließlich zu, als zwei konkurrierende Vorstände sich gleichzeitig als legitime Interessenvertretung der Kooperative betrachteten. Während Oxfam, andere NGO-Organisationen und die meisten Fair-Trade-Unternehmen den regierungsnahen Vorstand unterstützten, orientierte sich Cafe Libertad Kollektiv in dieser Situation direkt an den Interessen der Kleinbäuerinnen als Produzentinnengemeinschaft innerhalb von COMUCAP und sagte diesen weitere Unterstützung und die Abnahme von Roh-Kaffee zu.

Etwa 90% der Kaffee-Produzentinnen haben schließlich die neue Frauenkooperative APROLMA gebildet oder sind in diese übergetreten. Weitere Frauen sind hinzu gekommen. Sie verstehen sich als explizite Frauenkooperative in der alle zentralen Ämter von Frauen besetzt sind. Die Kooperative ist stark in der Opposition organisiert und hat sich unabhängig gemacht von den Anhängerinnen der Regierungspartei und Entwicklungshilfeorganisationen wie Oxfam, die aus ihrer Sicht immer stärker "eigene" Interessen vertreten und einen aktiven politischen Ansatz verneinen.

Als nicht leicht beschreiben sie ihren Neuanfang, da sich ihr neuer Name erst noch etablieren müsse und einige ehemalige Käufer_innen abgesprungen seien. Auch wird sich zeigen müssen, wie die Ernte in den kommenden Jahren ausfallen wird, da sich in Mittelamerika die Erkrankung von Kaffepflanzen durch "Roya" (Kafferost, ein Pilz) dramatisch ausweitet. Sie berichteten, dass ihre Pflanzungen bislang verschont blieben, da ihr kontrolliert biologischer Anbau die Pflanzen resistenter gegen die Krankheit macht. Jedoch haben die ersten Bäuer_innen der Region bereits ihre Anbauflächen verkaufen müssen, da ihr Land zu wenig zum Überleben abwirft.

Verschärft werden die Ernteeinbußen der Bäuer_innen durch den sinkenden Verkaufspreis für Kaffee auf dem Weltmarkt. Seit drei Jahren gehen die zu erzielenden Kaffeepreise für die Produzent_innen zurück, sodass nun die Existenzgrundlage vieler in aktuer Gefahr ist. Hierauf reagiert die Kooperative APROLMA mit einem Projekt, in dem das Wissen um den organischen Kaffeeanbau weitergegeben wird und beste Anbaumethoden erprobt werden, um die Existenzgrundlage der Bäuer_innen zu retten.

Wir wünschen der Frauen-Kooperative APROLMA viel Durchhaltevermögen und bestes gelingen in dieser politisch und ökonomisch schweren Zeit und freuen uns auf die Fortführung der solidarischen Zusammenarbeit zur Förderung feministischer Perspektiven!

Links zur politischen Situation in Honduras:
http://amerika21.de/2013/11/92919/menschenrechte-honduras
http://www.lateinamerika-nachrichten.de/index.php?/artikel/4584.html
http://amerika21.de/2013/11/94496/wahlbetrug-honduras
http://amerika21.de/2014/01/96645/proteste-kongressvorstand