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Cáceres, Extremadura, Spanien

Globaler Raubbau und Landkämpfe am Beispiel Valdeflores

Valdeflores in Cáceres, Extremadura, Spanien besitzt einen großen Hain mit Olivenbäumen, in dem vom Aussterben bedrohte schwarze Merino-Schafe weiden. Das Gebiet ist aktuell umkämpft und bedroht, da es durch die Errichtung einer eine Lithium-Tagebaumine zerstört werden soll.

Das australische Bergbauunternehmen Infinity Lithium plant, den Berg (Montaña), der die Stadt Caceres umgibt, buchstäblich zu verschlucken. Das geplante Abbaugebiet liegt nur 2 km von der Altstadt entfernt und das gemeinschaftliche Anbaugebiet von Valdeflores wäre direkt von der Grube betroffen. Nach ersten Bauarbeiten haben Umweltaktivist*innen aus Caceres die Plattform (Salvemos la Montaña: Rettet den Berg) ins Leben gerufen, um den Plänen der Bergbaufirma Widerstand entgegenzusetzen.

Lithium spielt eine entscheidende Rolle bei der industriellen Herstellung von Batterien für Mobiltelefone oder Elektroautos. Große transnationale Konzerne haben seit einigen Jahren weltweit die Vorkommen im Visier. Im Interesse eines grünen Kapitalismus werden neue Märkte und Ressourcen erschlossen. Die Konflikte um Land haben in den letzten Jahren daher zugenommen und immer mehr naturbelassene Räume werden zerstört und verwertet. Dies betrifft Lithium ebenso wie andere Metalle oder nach wie vor den Kohletagebau zur Energiegewinnung für Fabriken in Industriegebieten und Einspeisung in Stromnetze.

Besonders die Regierungen in den betroffenen Ländern des globalen Südens erlassen Gesetze, durch die die Rechte lokaler Gemeinden und der indigenen Bevölkerung zugunsten von Konzernen und Investoren beschnitten werden. Die Folge sind zunehmender Landraub, wachsende Korruption und politische Morde an kritischen Journalist*innen, Gemeindemitgliedern oder Umweltaktivist*innen.

Automobilindustrie und deutsche Interessen

Wie wenig der Kolonialismus in Bezug auf die Ausbeutung von Rohstoffen bis heute überwunden ist, und wie groß der Einfluss der deutschen Automobilindustrie ist, wird in einem begeisterten Artikel des Handelsblattes vom Dezember 2018 deutlich: „Im Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien schlummern die größten Lithiumreserven der Welt – Rohstoff für die Batterien künftiger Elektroautos. Den Schatz soll ein deutsches Unternehmen heben.“

Ungeniert werden natürliche Orte und Lebensräume zu Schätzen, die es für deutsche Unternehmen zum Erhalt des wirtschaftlichen Weltmachtbestrebens zu heben gilt. Profitieren soll von dieser Entwicklung vor allem die deutsche Autoindustrie mit Konzernen wie VW und Audi im Hinblick auf die Eroberung von Marktanteilen in China.

Menschenrechtsverbrechen und organisierte Kriminalität

Ein Beispiel für die Zusammenhänge und Verflechtungen von Tagebauprojekten, Politik, Industrie und organisierter Kriminalität ist das Verschwinden und vermutliche Ermordung von Sergio Rivera Hernández im August 2018 in Südmexiko.

Er und weitere Aktivist*innen der kleinbäuerlichen Organisation Movimenta Agrario Indegina Zapatista (MAIZ) haben lokale Proteste und Widerstand in umliegenden Gemeinden gegen ein großes Wasserkraftwerk in der Sierra Negra, Puebla organisiert. Der gewonnene Strom ist nicht für die Gemeinden in der Region, sondern ausschließlich für das Bergbau-Unternehmen "Autlán"bestimmt.

Dieses fördert unter anderem das Metall Mangan zur Stahlhärtung und befördert so weitere Landkonflikte. Mangan findet in der umliegenden Autoindustrie Verwendung. Hier sind mit Volkswagen und Audi wiederum wichtige Werke der deutschen Autoindustrie angesiedelt. Mehrere Umweltaktivist*innen sind seitdem in Mexiko ermordet worden oder mussten das Land verlassen.

Ende Gelände

Ein Beispiel dafür, dass der Widerstand gegen Raubbau von Südamerika bis nach Europa reicht, sind die schwarzen Schafe von Valdeflores.

Egal ob im benachbarten Garzweiler (Hambi bleibt!) oder in Ländern wie Spanien, Mexiko oder Bolivien. Der Versuch, jeden Flecken Erde zu ökonomisch verwerten, ist Ausdruck einer hoffnungs- und glücklosen Hegemonie der kapitalistischen Globalisierung. Eine mögliche Stärke von sozialen Bewegungen liegt jedoch in der Gleichzeitigkeit von Kämpfen und im Bewusstsein lokaler Konflikte in unterschiedlichen Ländern.

Zur Unterstüzung der Proteste im spanischen Valdeflores wird von der Kooperative ACTYVA ein Olivenöl vertrieben. ACTYVA ist eine aus der CNT heraus gegründete gemeinnützige Genossenschaft, die sich auf gegenseitige Hilfe, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit konzentriert. Sie verfolgen einen landwirtschaftlichen Ansatz, der nach Grundsätzen der Agrarökologie und Ernährungssouveränität arbeitet. In Valdeflores stellen sie qualitativ hochwertige und erschwingliche Lebensmittel her und erhalten traditionelle Landschaften und Praktiken der Produktion.

Mehr Information zum Solidaritätsolivenöl 

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