Klimawandel und Spekulationen auf Rohkaffee am Weltmarkt
Neue Preise ab Juli 2026
Wir haben zum 15.07.2026 unsere Verkaufspreise für Kaffee und Espresso um durchschnittlich 10 Prozent erhöht. Die Preiserhöhungen sind erforderlich, da wir im Verhältnis zum Vorjahr den Kooperativen und Kaffeebäuer*innen 10 bis 22 Prozent mehr für den Rohkaffee bezahlen.
Gleichzeitig mussten wir unseren kalkulatorischen Aufschlag um 20 bis 25 Cent pro kg anheben. Dies dient vor allem dazu, gestiegene Transport- und Verwaltungskosten durch gesetzliche Regulierungen aufzufangen. Eine Übersicht zu den neuen Preisen findet ihr unter www.cafe-libertad.de/preislisten als PDF-Dokument. Wie die Verkaufspreise konkret zustande kommen und sich zusammensetzen, möchten wir zudem an einem Beispiel nachvollziehbar machen.
Beispielkalkulation 500g Röstkaffee Libertad
Der zapatistische Kaffee Libertad mit der Artikelnummer 100 kostet nun 10,70 Euro statt bislang 9,85 Euro. Die Kooperativen Yachil und Yochin haben von Café Libertad Kollektiv eG gegenüber einem Einkaufspreis von 155 MXN im Vorjahr gemäß der aktuellen Verträge 170 MXN per kg Kaffee erhalten. Dies entspricht umgerechnet für einen Container mit 250 Sack je nach Wechselkurs ca. 149.000 Euro, zzgl. rund 4.000 Euro Importnebenkosten für Seefracht, Versicherung, Transporte, Gebühren etc.
Im Mittel ergibt sich daraus ein Einstandspreis von 8,65 Euro per kg. Da die Importe noch nicht abgeschlossen sind, können sich diese Werte unterjährig noch leicht ändern. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie sich ausgehend von diesem Einstandspreis der aktuelle Verkaufspreis ergibt.
Artikel 100: Libertad 500g gemahlen
8,65 € Rohkaffee nach Import pro kg
1,38 € Röstverlust
0,12 € Energiepauschale
0,27 € Rösten
0,10 € Mahlen
0,40 € Abfüllen
0,28 € Etikett
0,40 € Verpackung
2,19 € Kaffeesteuer
0,05 € Transporte
13,84 € Wert nach Röstung
5,55 € Betriebskosten
0,50 € Beworbene Fördermittel
0,10 € Rücklagenbildung
19,99 € Summe pro kg
10,00 € Stückpreis 500g
0,70 € zzgl. Mehrwertsteuer
Neuer Listenpreis: 10,70 €
Als zusätzliche Aufschläge sind neben den 50 Cent für beworbene Fördermittel weitere 10 Cent für die Bildung der Rücklage der Genossenschaft enthalten, die wir auch benötigen um Kooperativen zinslose Vorrauszahlungen als Darlehen zu gewähren.
Im Jahr 2025 konnten wir aufgrund eurer Unterstützung über 80.000 Euro an Fördergeldern vergeben, wie sie im Kaffee eingepreist sind und beworben werden. Deshalb möchten wir uns an dieser Stelle auch bei euch bedanken! Unsere Idee von solidarischem Handel und Kaffee für den täglichen Aufstand wäre nicht möglich ohne den Support von vielen Menschen, die sich andere Verhältnisse wünschen und eine gesellschaftliche Perspektive der Solidaität im Konkreten weiterentwickeln. Details zu den vergebenen Fördermitteln findet ihr unter www.cafe-libertad.de/foerdergelder-archiv.
Auf die Betriebskosten entfallen 26,9 Prozent des Jahresumsatzes von Café Libertad. Darin enthalten sind 15,9 Prozent für Personalaufwand und 6 Prozent Kosten für die Warenabgabe. Der Rest entfällt auf Raum-, Beratungs-, Verwaltungs- und sonstige Betriebsaufwendungen wie Entsorgungskosten, Versicherungen oder Abgaben. Der Jahresabschluss der Genossenschaft ist im Bundesanzeiger veröffentlicht.
Zudem mussten im Jahr 2025 knapp 44.000 Euro für Zinsen aufgewendet werden. Der Kapitalbedarf ist aufgrund höherer Rohkaffeepreise gestiegen und damit auch die Vorauszahlungen als zinslose Darlehen für die Kaffeekooperativen, damit diese ihren Mitgliedern den geernteten Rohkaffee abkaufen und ihn weiterverarbeiten können.
Entwicklung der letzten Jahre und aktuelle Planung
Insgesamt plant Café Libertad Kollektiv im Jahr 2026 den Kauf von 3.517 Sack Rohkaffee für geschätzt 1,97 Millionen Euro, von denen ca. 1,2 Millionen als Vorauszahlungen bis zu 6 Monate vor der Lieferung geleistet werden. Um auf die Dynamiken am Weltmarkt zu reagieren, haben wir dabei die Rohkaffeepreise für unsere Partner*innen-Kooperativen erhöht. Die Entwicklung des Einkaufspreises unseres Kaffees von den zapatistischen Kooperativen im Verhältnis zum Kurs am Kaffeeweltmarkt lässt sich in der folgenden Abbildung nachvollziehen. Um die Darstellung nachvollziehbarer zu gestalten, haben wir hierfür den Preis von MXN in US-Dollar per kg umgerechnet.
Während große Konzerne von Weltmarktdynamiken zumeist profitieren und sie z.B. in Niedrigpreisphasen kompensieren, versuchen wir gemeinsam mit den Kaffeekooperativen eine möglichst stabile und sichere Planung für sie und ihre kleinbäuerlichen Mitglieder zu ermöglichen.
Auch uns selbst hat die Finanzierung des Rohkaffees in den letzten Jahren vor Herausforderungen gestellt. Besonders aber für die Kaffeekooperativen ist es durch die schwankenden und teilweise stark gestiegenen Kurse an der Börse schwieriger geworden, ihre Verträge gegenüber Mitgliedern und Handelspartner*innen zu erfüllen und gleichzeitig notwendige Überschüsse zur Weiterverarbeitung des Kaffees und zur Sicherstellung der Exportfähigkeit zu erzielen. In besonderer Weise befördert aktuell der fortschreitende, menschengemachte Klimawandel Spekulationen auf künftige Rohkaffeepreise. Hohe Preise für Rohkaffee sind gut und notwendig, insbesondere für Kleinbäuer*innen. Dramatisch ist hingegen, wenn die Dynamiken wechselhaft bleiben und von Wetten an der Börse bestimmt werden. Dies wird vor allem von finanzstarken Verursacher*innen des weltweiten Klimawandels vorangetrieben, die gleichzeitg auf Naturkatastrophen und Unwetterereignisse spekulieren. Hier schreiben sich postkoloniale Verhältnisse als Absurdität einer kapitalistischen Weltordnung fort, die sich zunehmend als Lösung der von ihr verursachten Probleme propagiert.
Wir bleiben am Ball und versuchen weiterhin, möglichst gute Preise für Produzent*innen und Konsument*innen möglich zu machen. Dies ist nur möglich durch dauerhafte Beziehungen, direkte Importe und die Unterstützung von euch allen. Manchmal scheitern wir an den Verhältnissen, manchmal können wir ihnen ein Schnippchen schlagen, aber Hauptsache wir schreiten auch in diesen beschwerlich und verunsichernd erscheinden Zeiten voran. Fragend, aber wütend und lebendig in Widerständigkeiten.
Café Libertad Kollektiv im Juli 2026

