Freitag 4. November, Fabrique im Gängeviertel

21 Uhr INFOVERANSTALTUNG: LGBTI*Widerstand in Honduras mit der Trans*Gender-Aktivistin Frenesys Sahory Reyes

Anschließend LIVEKONZERT: * LAS MARIE X HACHAS * Cumbia-Punklore-Travestie-Rumba‘n‘Roll

Durch die Nacht DJs und Soliparty: * VUELTABAJO * DR.CALAVERA * CRUDO * BOMBOMBUM *

In Honduras haben Menschenrechtsverletzungen und Morde an Umwelt- und Menschenrechts-Aktivist*innen im vergangenen Jahr massiv zugenommen. Trotzdem setzen sich Menschen wie die bekannte Trans*Aktivistin Frenesys Sahory Reyes tagtäglich für die Opfer von Hassverbrechen, Morden und Diskriminierung gegen die LGBTI*Community ein und setzen damit ihr Leben aufs Spiel. Frenesys berichtet im Dialog mit euch und einigen hamburger NGOs über die aktuelle Menschenrechtslage. Mit der anschließenden Soliparty "Fiesta Arcoíris“ wollen wir ihre Organisation Arcoíris in der Hauptstadt Tegucigalpa unterstützen.

Veranstalter*innen: peace brigades international, Bundeskoordination Internationalismus BUKO, Café Libertad Kollektiv e.G., Mujeres sin Fronteras, Amnesty International Mexiko- und Zentralamerika-Kogruppe, Bombombum

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Geschrieben in News von Café Libertad


English version: Green coffee import and price calculation 2016

Café Libertad hat im Jahr 2016 insgesamt 9 Container mit 2299 Sack Rohkaffee importiert. Die Preise für die Partnerkooperativen und Kleinbäuer*innen blieben dabei auf ihrem hohem Niveau. Der zapatistischen Kooperative Yachil wurden wie im Vorjahr 88 MXN pro kg ausgezahlt und der Preis für Rohkaffee der benachbarten Kooperative Michiza aus Oaxaca von 84 MXN auf 87 MXN pro kg erhöht.

Zusätzlich wurden Fördergelder ausgeschüttet. Nicht produktionsfähig war leider die kolumbianische Kooperative Juantama. Wir haben diesen Ausfall mit Unterstützung durch El Puente und einen gemeinsamen Import von Rohkaffee der Kooperative Ecolsierra auffangen können. Die Rohkaffeepreise haben bei Café Libertad Kollektiv unterschiedliche Aufschläge für die politische Arbeit der Kooperativen und die Qualität des Rohkaffees.

Vor allem aufgrund von Währungsschwankungen wird der Kaffee aus Mexiko in diesem Jahr dennoch günstiger, während der Kaffee der Frauenkooperative aus Honduras teurer geworden ist. Die Ursache liegt im steigenden Dollar, der als Rohkaffeewährung in Honduras gilt, im Verhältnis zum fallenden mexikanischen Peso gegenüber dem Euro. Wir geben solche Preisveränderungen jährlich weiter, da wir nicht mit größeren Gewinnspannen kalkulieren (um solidarischen Kaffee erschwinglich zu halten), aber den Kleinbäuer*innen trotzdem gleichbleibend hohe Preise für ihren Rohkaffee zu garantieren.

Sorten mit zapatistischem Kaffee sind bei 500g daher um ca. 30 Cent günstiger, der Las Chonas ist jedoch um 25 Cent teurer geworden. Wir hoffen auf euer Verständnis und eure Solidarität mit den Partnerkooperativen, trotz unterschiedlicher Ausgangsbedingungen von diesen.

Kaffee-Qualität der Ernte 2016

Die Kaffee-Qualität der Ernte 2016 ist zum Vorjahr gestiegen trotz schwieriger Bedingungen durch die Klimaerwärmung. Da es in höheren Lagen wärmer wird, verringert sich allgemein die Qualität von Hochland-Kaffee aufgrund eines schnelleren Pflanzenwachstums. Unter wärmeren Bedingungen breiten sich auch Pflanzenkrankheiten wie die „Roja“ schneller aus. Unsere Partnerkooperativen liegen jedoch teilweise in Hochland-Lagen, wo dieser Effekt nicht voll zum tragen kommt, zudem betreiben sie Anbau unter Schattenbäumen in natürlicher Umgebung. So werden Schädigungen der Pflanze durch Sonneneinwirkung oder die Anfälligkeit von Monokulturen vermieden. Die Kooperativen mit biologischem Anbau arbeiten außerdem daran alte und traditionelle Pflanzenschutzmethoden wieder aufzugreifen und weiterzuentwickeln um z.B. die „Roja“ wirkungsvoll zu bekämpfen.

Trommelröstungen mit 100% Arabica

Wir verarbeiten weiterhin ausschließlich Arabica-Kaffee der von Natur aus mehr Fruchtigkeit und ein runderes Aroma besitzt als z.B. Robusta-Sorten aus tieferen Lagen. Durch ein langsames und gleichmäßiges Trommel-Röstverfahren wird zudem die Bildung unerwünschter Säuren und Rückstandsstoffe verhindert. Ob dunkel oder etwas heller geröstet, bleiben so einzigartige, regionale Ausprägungen in der Tasse erhalten und der Röstkaffee bleibt fruchtig, aromatisch und sehr gut verträglich.

Kalkulation Artikel 100 Bio-Libertad gemahlen

4,61 € Einstandspreis Rohkaffee pro kg
0,72 € Röstverlust
0,24 € Röstkosten
0,08 € Mahlung
0,37 € Abfüllen
0,04 € Ettikett
0,21 € Verpackung
2,19 € Kaffeesteuer
0,13 € Lagerung & Finanzierung
0,06 € Transporte

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8,65 € Summe pro 1 kg Röstkaffee
4,48 € Kalkulatorischer Aufschlag (Betriebs- und Verwaltungskosten, Lohnkosten, Versand)
0,40 € Fördermittel & Spenden (für Kooperativen und politische Projekte)
0,20 € Genossenschaftliche Rücklagen (u.a. Vorfinanzierung für Kooperativen und Kleinbäuer*innen)

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13,73 € Betrag pro 1kg Röstkaffee
6,86 € Stückpreis 500 g
0,48 € 7,00% Umsatzsteuer
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7,35 Euro Verkaufspreis pro 500g Packung
Geschrieben in News von Café Libertad


Bio-Rotwein, Ribera del Duero
Ernte 2015: 75% Tempranillo, 10% Garnacha, 10% White Albillo and 5% Pirules
.

1936 organisierten sich die Menschen in Spanien gegen den Putsch des Militärs, um die Republik und die Perspektive der Revolution gegen den aufstrebenden Faschismus in Europa zu verteidigen. Der Ácrata Jubiläumsrotwein der CNT ist ein Tribut und Andenken an die Generation libertärer und anarchistischer Aktivist*innen im Sommer der Anarchie.

Der Jubiläumswein stammt aus biologischem und veganem Anbau in traditioneller Handwerkskunst. Der 2015 geerntete Wein wurde so gefiltert, dass der endgültige Geschmack den unverfälschten Charakter der Traube erhalten hat. Die Weinherstellung ohne Zusätze ermöglicht durch die natürliche Reifung einzigartige und unwiederholbare Noten. Der Ácrata Jubiläumswein verbindet die Erinnerung an politische Kämpfe und Formen der Selbstorganisation mit Engagement für die Erhaltung alter Rebsorten und Produktionsmethoden und der Entwicklung von neuen Direktvertriebsstrukturen für Aktivist*innen.

Wein wie vor 200 Jahren

Die Rebsorten, aus denen der Ácrata-Wein hergestellt wird, sind südlich der Provinz Burgos, im Umkreis von vier kleinen Ortschaften der berühmten Weingegend Ribera del Duero beheimatet. Das Anbaugebiet in 1.000 Metern Höhe auf Kalkstein und steinigen Boden ist geprägt von alten Reben wie Garnacha, Pirules, Albillo und Tempranillo, der vorherrschenden Sorte des Ribera del Duero.

In den Weinkellern von Kirios de Adrada produzieren Jesús Lázaro und Maite Perera seit mehr als 15 Jahren Biowein und versuchen alte Rebsorten zu retten, die aus kommerziellen Gründen an Bedeutung verloren haben und deswegen heutzutage fast verschwunden sind.

Sie bearbeiten auf traditionelle Weise sehr alte Weingärten von hohem historischem Wert, auf denen seltene 100 Jahre alte Reben wachsen. Der Anbau findet an Hängen und in kleinen Pflanzungen statt, auf denen eine Mechanisierung nicht möglich ist. Viele dieser Weingärten sind in der Vergangenheit daher aufgegeben worden.

““

Für die Pflege der Weinstöcke werden pflanzliche Produkte, und für die Anreicherung des Bodens Gründüngung und Mist genutzt. Unkraut wird nicht mit Pestiziden bekämpft, sondern mit der Hacke und leichten Maschinen.

*Ácrata: spanisch Anarchist*in

Preis pro Flasche 075 l - 7,80 Euro
Entspricht einem Preis pro 1 l - 10,40 Euro
Geschrieben in News von Café Libertad
Die sozialen Bewegungen Mexikos rufen zu einem internationalen Aktionstag in Solidarität mit Nochixtlán, Oaxaca, auf. Dieser ist am Dienstag 19. Juli, einen Monat nach dem Massaker in Nochixtlán. Dem Aktionstag voran geht eine Karawane der sozialen Bewegungen Oaxacas nach Mexiko Stadt, die unterstützt wird von verschiedenen Gewerkschaften und von über 60 Gemeinden Oaxacas.

Kleinere und grössere Aktionen zu diesem Tag bitte mit Fotos an desinformemonos.org weiterleiten und twittern mit dem Hashtag #AcciónGlobalxNochixtlán

Plakat zum Aufruf: https://pbs.twimg.com/media/CnQdbcuVIAAmKr3.jpg

11 Tote bei einem Polizeieinsatz gegen Lehrer*innen in Nochixtlán, Oaxaca, Süd Mexiko, die gegen die neue Bildungsreform der mexikanischen Regierung protestieren.

Am 19. Mai haben ca. 800 Bundespolizisten die von den protestierenden Lehrern eingerichteten Straßenbarrikaden in der Gemeinde Nochixtlán im Bundestaat Oaxaca, Süd Mexiko, gewaltsam geräumt. Dabei sind 11 Personen, darunter 1 Lehrer, erschossen und weitere 22 Beteiligte durch Waffen verletzt worden. 7 Personen gelten als Verschwunden und 37 Protestierende wurden inhaftiert.

Die Lehrer*innen die in der unabhängigen Lehrergewerkschaft (CNTE) organisiert sind, traten am 15.Mai, aus Protest gegen die von dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto, initiierte Bildungsreform in den Streik. Diese Reform hat die Privatisierung des Bildungssystems zum Ziel, so dass sich Eltern in Zukunft auf die Ausgaben von Schulgeld und Lernmaterial einstellen müssen. Hinzu kommt eine standarisierte Evaluierung der Lehrer, die weder die Arbeitsbedingungen der Lehrer*innen, noch die speziellen oder regionalen Lehranforderungen berücksichtigt.
Die Lehrer fordern einen runden Tisch mit Bildungs- und Regierungsvertretern, um über die Bildungsreform mit zu entscheiden.

Die Vorkommnisse am 19. Mai im Bundesstaat Oaxaca, waren der Höhepunkt einer Reihe von repressiven Maßnahmen, wie willkürliche Festnahmen, unbegründete Haftbefehle, Entlassungen, Einschüchterungen und Drohungen gegen die protestierenden Lehrer.

Inzwischen gibt es in mehr als 20 mexikanischen Bundesstaaten Solidaritätsaktionen mit den Lehrern. Die EZLN (Zapatistische Nationale Befreiungsarmee) hat in einen Kommuniqué (Link siehe unten) einen Appell an die Zivilgesellschaft, enger zusammenzurücken um gemeinsam gegen die „schlechte Regierung“ von Peña Nieto zu kämpfen. „Wir verurteilen aufs Schärfste die Eskalation der Repression, mit der versucht wird, im ganzen Land die neoliberale, kapitalistische Reform durchzudrücken“.

Hamburg, Juli 2016

Mehr Infos:

enlacezapatista.ezln.org.mx

Weitere Texte und Artikel zum Konflikt:

Konflikt um die Bildungsreform in Mexiko weiterhin ohne Lösung
Das Massaker von Nochixtlán und die Bildungsreform
Gemeindepräsidenten in Mexiko wenden sich gegen Regierung
Schüsse in der Prärie, Flächenbrand in Mexiko
Runde Tische zwischen CNTE und Regierung
Geschrieben in News von Café Libertad
Herzberg Solistand

Honduras wird derzeit von einer Serie politischer Morde und staatlicher Repressionen erschüttert. Betroffen sind neben widerständigen indigenen Organisationen und Gewerkschaftsangehörigen insbesondere Transgender und queere Aktivist*innen. Allein in den letzten Monaten wurden zahlreiche Menschen aus dem Umfeld der LGBTI*-Organisation Arcoiris ermordet (LGBTI * - Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex *). Vor wenigen Tagen, am 6. Juli 2016, wurde mit Lesbia Yaneth zudem eine weitere Aktivistin der indigenen Organisation COPINH erschossen.

2015 war das bisher blutigste Jahr für die LGBTI*-Community in Honduras mit 26 registrierten Morden. Die Straflosigkeit liegt bei 98% der Fälle. Insgesamt 171 registrierte Hassverbrechen wurden seit einem zivil-militärischen Putsch 2009 gezählt, wobei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Die LGBTI*-Bewegung konstituierte sich in dieser Phase als öffentlich sichtbarer Teil des zivilgesellschaftlichen Widerstandes. Auch heute sind LGBTI*-Gruppen ein sehr aktiver und sichtbarer Teil der Protestbewegung gegen staatliche Korruption und politische Morde.

Hassverbrechen und staatliche Repression

Achtzig Prozent der transsexuellen Menschen Lateinamerikas sterben vor Erreichung des 35. Lebensjahres, in Honduras liegt die Lebenserwartung sogar bei unter 30 Jahren.
Über die Hälfte der Fälle werden Polizeiangehörigen oder sonstigen Sicherheitskräften zugerechnet. Anzeige zu erstatten bedeutet für Betroffene ein hohes Risiko. Die Behörden kennen anschließend die Daten, wodurch die Gefahr von Angriffen steigt. Der Aktivist Donna Reyes erklärt dazu: „Im Jahr 2009 haben wir den ersten Bericht über die „Hassverbrechen“ gemacht. Wir waren damals mitten im Staatsstreich. Wir haben festgestellt, dass 60 % der Verbrechen, die wir belegen konnten, von Angehörigen der Polizei oder der Streitkräfte verübt worden waren. Der Staat ist also direkter Komplize und wenn du das anprangerst, gehst du natürlich ein großes Risiko ein.“
Auch der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist für Transgender in Honduras problematisch und weiterführende Schulen und Universitäten verweigern diesen die Aufnahme. Schätzungen zufolge flüchten aktuell bis zu 70% der Trans*Community in andere Länder.

Die Arcoiris Aktivistin Paola Barraza wurde im Sommer 2015 angeschossen. Die Kugel wurde vom Jochbein-Knochen abgelenkt und blieb in ihrem Hinterkopf stecken. Paola Barazza überlebte dieses Attentat durch diesen Umstand knapp, um anschließend am 24. Januar 2016 bei einem zweiten Attentat vor ihrer Haustür erschossen zu werden.

Kendry Hilton eine andere Aktivistin von Arcoiris sollte Anfang Mai an einer Rundreise und Veranstaltung in Hamburg teilnehmen, um über diese Situation für LGBTI* in Honduras zu berichten. Kurz vor Antritt der geplanten Reise musste Kendry Hilton nach Drohungen und einem versuchten Attentat flüchten und abtauchen. Frenessys Sahory Reyes ist schließlich eingesprungen, um im Rahmen der Rundreise über Morde, Drohungen, Vergewaltigungen und staatliche Gewalt in Honduras zu informieren.

Noch während Frenessys Sahory Reyes im Rahmen der Rundreise unterwegs war, wurde eine weitere Aktivistin von Arcoíris ermordet. Auf Elkin Enil Amador Castellanos wurden 22 Schüssen abgefeuert, die meisten davon in ihr  Gesicht, das völlig zerstört wurde. Sie war in einer alltäglichen Situation während der Arbeit an ihrem Verkaufsstand für Früchte und Gemüse umgebracht worden. Schon die grausame Ausführung der Tat spricht für ein Hassverbrechen. 

Fast zeitgleich wurde zudem Amilcar Hernandez ermordet. Ein schwuler junger Mann, der eine Bar betrieben hat, die häufig von Trans*Frauen aus dem Umfeld von Arcoiris besucht wurde.  Die Serie von Morden ist Ausdruck heterosexistischer Kampagnen von christlichen, fundamentalistischen Gruppen, die in Honduras eng mit Polizei und Regierung verflochten sind und häufig von reaktionären Freikirchen und anderen fundamentalistischen Organisationen aus Deutschland, Europa und den USA unterstützt werden.

Repression und Gewalt gegen indigene und politische Organisationen der sozialen Protestbewegungen

Staatliche Gewalt gegen politische und oppositionelle Organisationen ist in Honduras dabei an der Tagesordnung und hat sich in den letzten Monaten nochmals dramatisch zugespitzt.

Zuletzt wurde am 6. Juli Lesbia Yaneth, eine Companera der indigenen Organisation COPINH ermordet. Lesbia Yaneth war eine bekannte Aktivistin gegen den Militär-Putsch von 2009 und aktive Militante bei der Verteidigung der gemeinsamen Güter und indigenen Rechte.

Unter anderem war sie gegen den Bau des Staudammprojektes Agua Zarca in der Gemeinde San Jose, La Paz engagiert. In diesem Zusammenhang sind bereits mehrere Menschen vom Militär oder Killerkommandos erschossen worden, um die anhaltenden, indigenen Proteste zu brechen. Das Staudammgroßprojekt in Honduras ist ein korrupter Sumpf aus Verbrechen, Politik, Wirtschaft und internationalen Konzernen wie z.B. Siemens in Deutschland.

Vier Monate und vier Tage nach der Ermordung der COPINH Sprecherin Berta Cáceres ist dieser jüngste gezielte Mord ein weiterer Ausdruck einer in Mexiko, Honduras und anderen Ländern inzwischen als Femizid bezeichneten Welle der Gewalt gegen die Stimmen von widerständigen Frauen oder auch LGBTI*-Aktivist*innen, die ihre Rechte gegen die patriarchalen, rassistischen und kapitalistischen Verhältnisse in der Welt einfordern.

Solidarität gegen kapitalistische Realitäten

Es ist notwendig, der politischen Strategie, widerständige Organisationen und Aktivist*innen unsichtbar zu machen und verschwinden zu lassen, unseren Widerstand entgegensetzen. Alle sind aufgefordert zur Solidarität und direkten Unterstützung der Betroffenen.

Wenn Aktivist*innen gegen das Staudammprojekt Agua Zarca in Honduras ermordet werden, an dem neben dem honduranischen Regime auch eine Tochtergesellschaft der deutschen Firma Siemens beteiligt ist, dann zeigt dies die Verflechtungen von Gewalt und Repression im globalisierten Kapitalismus. Es zeigt aber auch die Notwendigkeiten und Möglichkeiten, politische Kämpfe für Gerechtigkeit und solidarische Verhältnisse zu vernetzen. Auch und im Rahmen der Proteste gegen den kommenden G20 Gipfel im Juli 2017 in Hamburg gilt es, sich solidarisch auf solche Kämpfe zu beziehen.

Streikende Lehrer*innen und Gewerkschafter*innen in Oaxaca, die sich dort im Juni mit Barrikaden gegen schießende Militärs und Polizei für bessere Lebensbedingungen gewehrt haben, und verschwundene Stundent*innen in Mexiko sind ebenso ein Teil dieser globalen Realitäten, wie Hassverbrechen gegen LGBT-Aktivist*innen oder indigene Organisationen in Honduras und anderen Ländern.

Die Illegalisierung von Geflüchteten stoppen

Während diese Formen von Verfolgung und heterosexistischer Gewalt gegen LGBTI* weltweit zunehmen, wird dies als Fluchtgrund nach wie vor nicht anerkannt und Betroffene in Deutschland werden illegalisiert. Sexismus und Hassverbrechen kennen keine Grenzen. Der Protest und Widerstand gegen diese Verhältnisse allerdings auch. Direkte Unterstützung durch Solidaritätsaktionen und Öffentlichkeit ist daher ebenso wichtig, wie der Kampf gegen die Illegalisierung von Geflüchteten und das europäische Grenzregime, und der Widerstand gegen die Ursachen, Zwänge und Normen eines globalisierten Kapitalismus.

Gegen patriarchale und kapitalistische Zustände!
Solidarität mit LGBTI*-Aktivist*innen weltweit!
Für Selbstorganisation und Autonomie: Politische Morde in Honduras und anderswo unmöglich machen!


www.cafe-libertad.de
Hamburg 07.07.2016
Geschrieben in News von Café Libertad


In der Nacht vom 2. auf den 3. März ist Berta Cáceres, Vorsitzende der indigenen Organisation COPINH, in ihrer Wohnung ermordet worden. Unbekannte Täter drangen gegen ein Uhr morgens gewaltsam in die Wohnung ein und erschossen Cáceres die sich aktuell u.a. gegen das Staudammprojekt Agua Zarca, Desarollos Energéticos S.A. (DESA), mit Siemens-Beteiligung engagiert hat.

Der Mord an Berta Cáceres reiht sich ein in weitere politische Repressionen und Morde in Honduras. Cáceres hatte bereits mehrfach darüber berichtet, dass sie Morddrohungen erhielt und ihr Name auf einer "Todesliste" geführt wurde.

Ihr Bruder, Gustavo Cáceres, wurde bei dem Mordanschlag ebenfalls schwer verletzt und der mexikanische Umweltaktivist Gustavo Castro Soto durch einen Streifschuss am Kopf verletzt und vermutlich für tot gehalten. Als er später eine Aussage als Zeuge bei der lokalen Polizei machen wollte, wurde er zunächst als Verdächtiger festgesetzt. Inzwischen ist er wieder frei. Lokale Menschenrechtsgruppen fürchten jedoch um sein Leben.

Die COPINH macht in einer Erklärung zum Tod von Berta Cáceres die Firma DESA und ihre internationalen Projektpartner und Geldgeber für den Mord verantwortlich: "Sie sind es, die hinter ihrem physischen Verschwinden stehen, sie alle haben ihre Hände mit Blut befleckt, mit dem Blut von Indigenen, von Lenca, von Kämpferinnen und Kämpfern."

Berta Cáceres vom Consejo Civico de Organizaciones Populares e Indigenas de Honduras - COPINH war eine Sprecherin der Widerstandsbewegungen und setzte sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung, Frauenrechte und für die Erhaltung der Biodiversität ein. Sie war Gründerin und Koordinatorin verschiedener Netzwerke zum Schutz von Flüssen und gegen Staudammprojekte, von Kampagnen gegen internationale Finanzinstitutionen wie Weltbank, Interamerikanische Entwicklungsbank und internationalem Währungsfond. Solidaritätsgruppen in aller Welt protestierten in den letzten Tagen gegen die Ermordung von Berta Cáceres.

Café Libertad Kollektiv und das antirassistische Fanprojekt St. Pauli Roar haben ihre Arbeit in den vergangenen Jahren direkt unterstützt. Im Juni 2012 fand zudem eine Veranstaltung mit dem Titel "Recht auf... Stadt, Land, Fluss" in der GWA-St. Pauli statt.

Wir sind traurig und wütend über ihre Ermordung und werden in ihrem Sinne indigene Proteste und soziale Bewegungen gegen staatliche Gewalt und die Folgen kapitalistischer Globalisierung weiter unterstützen.

Berta Caceres Vive - La Lucha Sigue!

Mehr Informationen auf amerika21.de

https://amerika21.de/2016/03/146457/mord-caceres-honduras-siemens
Geschrieben in News von Café Libertad

Und in den zapatistischen Gemeinden?

Donnerstag, 3. März 2016

Compañeroas, Compañeros und Compañeras:

Nun werden wir Ihnen ein bisschen über die zapatistischen Gemeinden erzählen, dort, wo die Unterstützungsbasen Widerstand leisten und kämpfen.

Das, was wir Ihnen jetzt erzählen werden, stammt aus den Berichten der verantwortlichen zapatistischen Compañeras und Compañeros der Dörfer, Verantwortliche der Kommissionen (zum Beispiel der Gesundheit, Bildung, Jugendliche etc.), autonome Autoritäten und Organisationsverantwortliche. Aber wir haben das mit den Compas des Komitees geprüft um zu sehen, ob es gelogen ist, oder ob es geändert wurde um es gut aussehen zu lassen und das zu verstecken, was schlecht ist. Die Aufgabe dieser Schriften ist es nicht unseren Compas der Sexta Lügen zu erzählen, noch jenen die unterstützen und solidarisch sind. Weder Ihnen, noch euch oder sonst jemanden.

Wenn wir falsch liegen, sagen wir dies klar, nicht damit Sie sich noch trauriger fühlen wegen all dem, was dort in Ihren Geografien und Kalendern geschieht. Wir sagen es, weil es unsere Art ist Ihnen Kenntnis zu geben oder zu informieren, damit Sie wissen, ob wir auf den Weg gehen, den wir Ihnen sagten oder ob wir schon anders gehen, vielleicht die gleichen Fehler begehend, welche wir kritisieren.

Aber wenn wir richtig liegen, dann wollen wir auch, dass Sie es wissen, damit Sie sich mit dem kollektiven Herz, welches wir sind, freuen.

Wie wissen wir, ob wir richtig oder falsch liegen? Was uns Zapatistas betrifft, ist es sehr einfach: die Dörfer sprechen, die Dörfer befehlen, die Dörfer machen, die Dörfer machen rückgängig. Wenn jemand einen schlechten Weg einschlägt, gibt ihm das Kollektiv, wie man sagt, sofort die Sporen, und er oder sie korrigiert es oder muss gehen.

Dies ist unsere Autonomie: der Weg ist unserer, wir gehen ihn, wir liegen richtig, wir irren uns, wir korrigieren uns.

Kurz gesagt, sagen wir die Wahrheit, denn von Lügen sollten Sie schon genug haben und gelangweilt sein. Und die Wahrheit, auch wenn sie manchmal schmerzt, schafft immer Erleichterung.

Oder besser gesagt, wollen wir es nicht wie die Schlechten Regierungen machen, die sich in den vergangenen Tagen sehr herausgeputzt haben, um dem Besucher zu gefallen und damit nicht gesehen wird, was unten passiert. Aber dieses Make-up diente nur dazu, zu zeigen wie falsch die Regierungen sind. Glauben Sie, dass jemand mit durchschnittlicher Intelligenz die Realität nicht sehen würde? Wie man sich zu dieser Wirklichkeit äußert oder nicht, und die Art und Weise wie man es tut, ist etwas anderes und liegt in der eigenen Verantwortung.

Also, ohne viel Gerede. Was wir euch nun erzählen, geht über das, was in den Büchern zur Kleinen Zapatistischen Schule erklärt wurde, hinaus. Wenn sie nicht an der Kleinen Zapatistischen Schule in einer Gemeinde oder außerhalb teilgenommen haben, oder nicht wissen was in den Lehrbücher steht, so empfehlen wir Ihnen sie zu lesen. Darin werden Sie erfahren wie der Prozess der Errichtung der Autonomie war.

Das was passiert, ist etwas neues, es sind neue Dinge die zu Tage getreten sind, oder die es vor 1-2 Jahren nicht gab:

  • Das zapatistische Wachstum wird aufrechterhalten. Es beteiligen sich mehr Jugendliche.

  • Die zapatistischen Compañeras und Compañeros sind bei guter Gesundheit. Was man sieht, ist, dass weniger in die autonomen Kliniken kommen, weil die Präventionsarbeit und die Betreuung, welche die Gesundheitspromotoren leisten, gestiegen sind. Anders gesagt, werden weniger krank. Diejenigen, die immer häufiger in die zapatistischen autonomen Kliniken kommen, sind die Parteianhänger*innen.

  • In der Bildung ist die Grundschulbildung genauso. Aber nun gibt es eine neue Forderung der Gemeinden: die Sekundar- und Oberstufe. In einigen Zonen gibt es bereits Sekundarschulen, aber nicht in allen. Nun gibt es Jugendliche die eine höhere Schulbildung fordern. Sie wollen keine Lehrgänge, sondern ein Studium der Wissenschaften und Künste. Jedoch kein Studium gemäß der kapitalistischen Art der institutionellen Universitäten, sondern gemäß unserer Art. Dafür fehlt uns noch viel.

  • In der Wirtschaft, ohne zu erwähnen, was es schon gibt, werden die kollektiven und individuellen Arbeiten (Feld, Bohnen, Kaffee, Hühner, Bananen, Schafe, Rinder, Bienenhonig, Gemüse, Kauf und Verkauf von Vieh, und andere Produkte) aufrechterhalten, und man hat gesehen, dass sie ihre Produktion gesteigert haben, was die Ernährung und Gesundheit verbessert hat, v.a. der Jugendlichen und Kinder.

  • In einigen Zonen werden die Gesundheitspromotoren bereits in Ulltraschall, Labor, allgemeine Konsultation, Zahnmedizin und Gynäkologie geschult. Darüber hinaus werden Präventionskampagnen in den Regionen durchgeführt. In einer Zone wurden mit den Gewinnen aus der kollektiven Viehwirtschaft Laborgeräte und ein Ultraschallgerät angeschafft. Es gibt auch schon für Handhabung dieser Geräte ausgebildete Compañeras und Compañeros, ein Resultat der Lehrbildung zwischen den Gesundheitspromotoren eines Caracols zum anderen, oder besser gesagt sie unterrichten sich untereinander. Auch ist ein weiteres Krankhaus im Bau begriffen, in dem sie in Zukunft kleinere Operationen durchführen können, wie sie es bereits in La Realidad und Oventik machen.

  • Im Bereich der Bearbeitung der Erde, sind die Maisfeldkollektive und die der Viehzucht deutlich angestiegen. Mit dem Gewinn, zusätzlich zum Erwerb von Apparaten und Medizin für die Kliniken, wurde ein Traktor gekauft.

  • Im Handel haben die Kooperativen der Lebensmittelgeschäfte ihre ökonomische Unabhängigkeit erlangt und niedrige Preise für die zapatistischen Familien beibehalten. Dies ist möglich da es niemanden gibt, der sich durch eine Verteuerung der Konsumgrundgüter berreichert.

  • In den autonomen Läden gibt es keine exklusive Markenkleidung, noch die neuesten Moden, dennoch fehlt es nicht an Unterröcken, Kleidern, Blusen, Hosen, Hemden, Schuhen (die meisten in den autonomen Schuhwerkstätten produziert) und das, was jede*r nutzt, um die Scham zu bedecken.

  • Diejenigen, die am meisten in den Kollektiven der Produktion und des Handels vorangekommen sind, sind die Compañeras. Seit einigen Jahren, als Ergebnis der kollektiven Arbeit der Kommandantur, des Komitees und der Insurgenten (ja, auch wir arbeiten um zu produzieren und Einkommen zu erzielen), werden jedem autonomen Munizip ein Pensum zugeteilt, damit die Compañeras der Unterstützungsbasen dieses im Kollektiv, welches sie betreiben, erarbeiten.

    Und es stellte sich heraus, dass sie bessere Manager als die Männer sind, denn in einem Munizip erschufen die Compañeras nicht nur ein erfolgreiches Viehzuchtkollektiv, jetzt sind sie bereits so fortgeschritten, dass sie ihre Kühe mit Frauenkollektiven anderer Dörfer “teilen” (“teilen” sagen die Zapatistas, wenn der Gewinn duch die Hälfte geteilt wird und man diesen Teil einem anderen Teil gibt).

  • Das gleiche geschah mit den Lebensmittelkooperativen: sie geben anderen Kollektiven der Region, Dörfern und sogar einzelnen Compañeras bereits Kredit.

  • Alle autonomen Munizipe haben kollektive Feldarbeit und andere haben Viehzucht. Alle Regionen haben kollektive Arbeit, die Gewinn bringt. Zum Beispiel haben zur letzten Feier die Regionen zusammengelegt für die Kuh, die sie zur Feier gegessen haben und für die Musiker.

  • Die überwiegende Mehrheit der Dörfer hat kollektive Arbeit, in ein paar Dörfern arbeiten die Compañeros nicht im Kollektiv, aber die Compañeras schon, und es gibt Dörfer, die 2 Kollektive sind, eines der Compañeros und eines der Compañeras. Individuell kämpfen alle damit es ihnen gut geht und sie haben Fortschritte erreicht. Sowohl Milizen, als auch Insurgenten arbeiten in Produktionskollektiven um sich zu unterstützen und um die Dörfer zu unterstützen.

  • Im Caracol Oventik gibt es bereits eine autonome Tortillería. Wir wissen nicht, wieviel ein Kilo Tortillas in ihrer Geografie gerade kostet, aber in Oventik kostet es 10 Pesos. Und es ist aus Mais, nicht aus Maseca [Anmk.: bei Maseca handelt es sich um eine Marke minderwertigen Maismehls]. Sogar die öffentlichen Verkehrsmittel machen Sonderfahrten, um ihre Tortillas dort zu kaufen. Im Hochlandgebiet von Chiapas, wo sich das Caracol Oventik befindet, wird kein Mais produziert. Dieser wird im Regenwaldgebiet (Zona Selva) erzeugt und wird zwischen den Kollektiven des Gebietes gehandelt, damit die zapatistischen Familien Mais zu einem guten Preis und ohne Zwischenhändler haben. Dafür benutzten sie Lastwagen, die den Räten der Guten Regierung von guten Personen gespendet wurden, deren Namen wir nicht nennen werden, aber sie und wir wissen wer sie sind.

  • In vielen zapatistischen Dörfern arbeiten etwa 50% kollektiv und der Rest individuell. In anderen arbeitet die Mehrheit individuell. Auch wenn die kollektive Arbeit gefördern wird, wird individuelle Arbeit, die keine anderen Individuen ausbeutet, respektiert. Sowohl die kollektive, als auch die individuelle Arbeit wird nicht nur beibehalten, sondern es werden Fortschritte gemacht.

  • So wird überall die kollektive Arbeit organisiert. Es gibt Kollektive in Dörfern und in einigen gibt es Kollektive von Männern, von Frauen und von Jugendlichen. Es gibt Regional- oder Munizipalkollektive. Es gibt Kollektive der Zone oder des Rates der Guten Regierung. Wenn ein Kollektiv weiter wächst, unterstützt es andere Kollektive, die noch nicht so weit entwickelt sind. Oder, wie in einigen Regionen, ist die kollektive Lebensmittelproduktion für die Unterkünfte für autonome Sekundarschulen bestimmt.



All diese Berichte über die Fortschritte, kommen nicht von der zapatistischen Kommandantur, sie ensprangen also nicht den Köpfen einiger weniger, sondern dem Austausch zwischen den Dörfern selbst.

In einem solchen Austausch berichten sie über ihre Arbeiten, ihre Fortschritte und ihre Probleme und Fehler. Daraus ergeben sich viele und neue Ideen, welche sie unter sich austauschen. Anders gesagt, lernen die Compañeros und Compañeras untereinander.

Und natürlich sagen wir, dass wir, als Befehlshaber, auch eine Menge von unseren zapatistischen Compañeras und Compañeros lernen.

Es ist schrecklich und wunderbar, was wir sehen und hören, während wir nicht wissen, was aus diesen Fortschritten resultieren wird.

Wir erzählen Ihnen jetzt nichts von der Aufrüstung der Paramilitärs, der Zunahme der militärischen Luft- und Bodenpatrouillen und all dem, was die schlechten Regierungen unternehmen, um zu versuchen uns zu zerstören. Wir geben Ihnen keine Einzelheiten, denn wir wissen sehr gut, dass Sie es auch nicht leicht haben, dass Ihre Widerstände und Rebellionen täglich Aggressionen ausgesetzt sind, zu jeder Stunde und in allen Teilen. Und dass Sie, wie auch immer, weiterhin rebellieren und Widerstand leisten.

Aber wir wissen, das Sie wissen, dass alles was wir Ihnen erzählen inmitten von Aggressionen, Angriffen, Belästigungen und komplizenhafter Stille geschieht. Inmitten eines Krieges also.

Auch wenn in dunklen Zeiten, wie diese, die wir gerade durchleben, “Kaufleute der Hoffnung” erscheinen, lassen wir Zapatistas uns nicht von den kirchlichen, säkularen oder weltlichen Dummheiten der angeblichen “neuen Verfassungsgeber” mitreißen, die uns “retten” wollen und die auf die gleichen alten Methoden des Zwangs zurückgreifen die sie kritisieren nennen, und die hinsichtlich angeblicher Unterstützungen der EZLN lügen, während sie versuchen die Geschichte zu redigieren mit der Hilfe überholter “Avantgarden”, die längst ihr eigenes Erbe verraten haben.

Die EZLN unterstütz keinerlei Verkauf von Spiegelchen. Wir befinden uns im Jahre 2016, nicht in 1521, wacht doch endlich auf.

-*-

Compas der Sexta, Schwestern und Brüder des Nationalen Indigenen Kongresses:

Mit alldem und inmitten all dieser Fallen, bereiten wir uns Zapatistas auf das schlimmste vor, was auf uns zukommt.

Wir fürchten nicht. Nicht, weil wir tollkühn sind, sondern weil wir unseren Compas vertrauen.

Es scheint als ob, angesichts des Sturms der schon die Himmel und Böden der Welt erschüttert, die zapatistischen Unterstützungsbasen gewachsen wären. Als glänzten jetzt ihre Fähigkeit, Weisheit, Phantasie und Kreativität am meisten.

Was diese Worte tatsächlich wollen, mehr denn zu informieren und zu berichten, ist Sie zu umarmen und daran zu erinnern, dass Sie hier, in dieser Ecke der Welt, Compas haben, die Sie, trotz der Distanzen in den Kalendern und Geografien, nicht vergessen.

Aber nicht alles läuft gut. Wir sagen Ihnen klar, dass wir einen Fehler sehen: die zapatistischen Frauen schreiten mehr voran als die Männer. Anders gesagt, machen sie nicht im gleichen Maße Fortschritte.

Jedes Mal bleibt weniger von jener Zeit, als der Mann der einzige war, der das Einkommen für den Haushalt beschaffen hat. In einigen Zonen geben die Frauenkollektive den Männern Arbeit. Und es sind nicht wenige zapatistische Haushalte, in denen die Frau diejenige ist, die dem Mann Geld gibt, damit er sich ein Hemd, eine Hose, ein Halstuch und einen Kamm kauft, damit er ein guter Galan in den bevorstehenden Aktivitäten ist, die wir bald bekannt geben werden.

Denn vielleicht werden wir schmutzig, hässlich und schlecht sein, aber eines ja: gut gekämmt.

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens.

Subcomandante Insurgente Moíses. Subcomandante Insurgente Galeano.

Mexiko, Februar 2016

Aus dem Notizbuch des Katze-Hund:

Fragmente der Konversation zwischen eine*r/m Parteianhänger*in und einigen Zapatistas:

Parteianhänger*in: Wie, die EZLN erhält keine Regierungsprogramme wie Procampo, Prospera, Nuevo Amanecer de los Ancianos? [Anmk.: die Rede ist von verschieden Hilfsprogrammen der Regierung die Abhängigkeitsverhätlnisse schaffen, als Strategie die Bevölkerung an sich zu binden]

Zapatistas: Nein.

Parteianhänger*in: Wer subventioniert sie als Organisation?

Zapatistas: Wir sind organisiert und haben Unterstützungsbasen, in denen wir zusammen arbeiten und uns regieren und wir haben kollektive Arbeiten wodurch wir ökonomische Resourcen erzielen um unseren Widerstand aufrecht zu erhalten.

Parteianhänger*in: Und wie können wir uns als Zivilgesellschaft organisieren und wie könnt ihr uns beraten, leiten und lehren?

Zapatistas: Sehen sie sich die Situation der freien Medien oder des Nationalen Indigenen Kongresses an. Wir sind nicht da, um zu sagen und zu entscheiden wie sie sich organisieren werden und um ihrer Organisation einen Namen zu geben. Sonder es sind die Leute des Volkes, die denken und entscheiden, was zu tun ist und wie man sich organisiert.

Parteianhänger*in: Was sollen wir tun?

Zapatistas: Unsere Idee ist es das kapitalistische System zu stürtzen.

-*- Bericht über die Unterhaltung an einem Morgengrauen im Monat Februar, zwischen dem, den sie Subcomandante Insurgente Moisés nennen und dem SupGaleano:

SupMoy: Der Bericht sagt, dass es Todesdrohungen gibt und dass die Regierung die Caracole angreifen will um nun den Zapatismus zu erledigen, weil er die Regierungen schlecht dastehen lässt.

Sup Gal: …

SupMoy: Sie suchen mich und dich, um uns zu töten.

SupGal: Uns “töten”? Nicht uns “fest zunehmen”, uns “zu fassen”?

SupMoy: Nein, der Bericht sagt “um uns zu töten”.

SupGal: Verdammt, und warum ich? Das ist kolonialistisch-hetero-patriarchalischer-eurozentrischer Rassismus. Du bist der Wortführer, du bist dran. Ich bin nur die letzte Bastion des zapatistischen Machismus und du siehst schon, dass wir im vollen Rückzug sind. Außerdem, warum die Gewalt? Früher pflegten sie nur zu sagen “verhaften”, “Vorführungsbefehl”, “Arrest”, und nun “töten”. Und ich bin schon mehrere Male gestorben, nehmen die mich nicht ernst? Sollen sie es als zur Kenntnis genommen betrachten und vermerken “Mission erfüllt”. Aber wechsele mir nicht das Thema: ich bin gerade dabei dir zu sagen, dass man das mit den Frauenkollektiven nicht in das Kommunique aufnehmen sollte.

SupMoy: Und warum nicht?

SupGal: Also, weil wenn wir das sagen, werden wir das maskuline Geschlecht schlecht dastehen lassen. Die ganze Tradition der Filme von Pedro Infante und Liedern von José Alfredo Jiménez läuft Gefahr zu verschwinden. Bist du damit einverstanden, dass uralte Kulturen verschwinden? Nein, richtig?

SupMoy: Nun, wie der Verstorbene zu sagen pflegte: das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen, denn ich habe es schon reingenommen.

DupGal: Wie?!! Und die Solidarität des Geschlechts?

SupMoy: Überlege dir lieber, wie man es schafft, dass die Männer mehr Bereitschaft zeigen und ihre Kollektive vorantreiben.

SupGal: Ok, ok, ok. Wir müssen zu unseren Wurzeln zurückkehren, wie man so schön sagt. Ich werde ein Spezialprogramm für Radio Insurgente machen. Weder Games of Thrones, noch sonst etwas; nur Lieder des großen Kameraden und Führers, Erster seines Namens, Vater der Drachen und Herr der sieben Ligen: Pedro Infante.

SupMoy: Jajajajajaja. Das werden sie dich nicht ausstrahlen lassen. Für das Programm ist eine Compañera zuständig.

SupGal: Verflixt und zugenäht. Verdammtes revolutionäres Frauengesetz! Und von José Alfredo Jiménez?

SupMoy: Uui! Noch weniger.

SupGal: Mmh … von den Bukis also? … Los Temerarios? … Brindis? … Los Tigres del Norte? Piporro?

Die Diskussion dauerte an bis das Katze-Hund, sich die Krallen schniegelnd, urteilte: guau-miau.

Es war im Morgengrauen, es war sehr kalt, und obwohl sich ein Schatten über das Antlitz der Erde erhob, kühlte ein Lichtlein das Wort “Widerstand” ab.

Ich beglaubige unter Protest des Geschlechts.

http://enlacezapatista.ezln.org.mx

ZAPATISTISCHE ARMEE DER NATIONALEN BEFREIUNG. Mexiko. Februar 2016.
Geschrieben in News von Café Libertad

Zapatista Solidarity Kalender 2016

Freitag, 6. November 2015

Herzberg Solistand

Zapata lives - the struggle continues! Solidarität mit den Zapatistas leistet nicht nur Café Libertad Kollektiv, sondern auch viele andere Gruppen in Europa und der ganzen Welt. Wir freuen uns daher den Kiptik Wandkalender der Chiapas Solidarity Group für die aufständischen, zapatistischen Gemeinden in Chiapas/Südmexiko anbieten zu können. Das Projekt unterstützt Wasser- und Gesundheitsprojekte und Infrastrukturmaßnahmen der indigenen Gemeinden.
Geschrieben in News von Café Libertad
Café Libertad considers paying the best possible prices for small-scale farmers and co-operatives' work a given. At the same time, reasonable consumer prices are of importance: We don't want solidarily-traded coffee and espresso to be luxury goods for the better-off, but to be affordable for as many people as possible.

Nevertheless, sales prices are increasing by 3% on average this year to compensate for increased costs of import and financing due to the euro exchange rate kept artificially low by the European Central Bank, and in order to realise better raw coffee prices for small-scale farmers and co-operatives.

Consequently, new sales prices vary according to brand between 3,70 and 4,25 euro for 250g espresso and 7,20 and 7,75 euro for 500g roasted coffee.

To realise these moderate price increases (compared to exchange rate development), we are anticipating an increased demand for solidarily-traded coffee and your support in explaining the reasons for the costs of solidarily-traded coffee being what they are, as well as our political ideas and practices.

The euro's depreciation as a consequence of post-colonial economic policy
In this year, the euro depreciated compared to the dollar by temporarily 25%. The ECB's depreciation and inflation strategy is based on post-colonial logic: exports are to be supported, and governments' debts are expected to vanish into thin air due to increased inflation. This results in a violent bottom-up redistribution.

Increased customer prices are affecting poorer population strata most severely, who are additionally affected by increased costs for housing. Decreasing interest rates on the other hand are benefitting persons who already own money and are buying real estate, which in turn further aggravates the state of the housing market. A race to the bottom affecting everybody, whereas the population is to be amused by bread and circuses, application for the Olympic Games and by other mega-events.

Government debts resulting from bank saving programmes and financial speculations gone awry are being settled by the majority of the population, costs of everyday life are increasing, whereas stock prices and profits at stock exchanges are exploding and new speculation bubbles are being subsidised by the state. The actions taken are true to the motto “the wealthy are becoming wealthier, the poor poorer” - not merely within Europe, but on a global scale.

Thus, the idea of Café Libertad Collective is getting more and more important: support of oppositional political movements and construction of solidary trade relations as an oppositional base against austerity programmes and exploitative relationships.

Better prices for Zapatista and resistant co-operatives

Despite increased costs due to depreciation of the euro and temporary decrease of the world market price for raw coffee, Café Libertad Collective didn't cut the cost prices to compensate for currency fluctuations, but has increased e.g. the cost price for Zapatista raw coffee by 5% to 88 Mexican peso per kg. Additionally, sponsoring has been provided to support the co-operatives' work.

Recently, many co-operatives in Mexico suffer from roya, a fungal infection which is at first infecting the leaves of coffee plants and is finally resulting in a total loss of harvest yields. Consequently, two out of three Zapatista coffee co-operatives weren't able to export raw coffee this year. This situation is aggravated by the Mexican government's new repressive laws which are bolstering the market power of big coffee companies and obstructing self-marketing by independent co-operatives.

General conditions in world trade are created primarily by and for big companies and trusts – like one hundred years ago. Authoritarian regimes as well as big companies are concerned if there are developing self-organised production and distribution structures in resistant regions. It is less easy for the companies to dictate prices and also local resistance against the government's policy is frequently the more intensive the more basis-democratic structures are embedded locally.

Co-operatives and self-organised small-scale farmers are struggling against harvest losses and repressive government policies, but as well with harmful consequences of the trade of food as a “paper” at stock exchanges and low-price policy of supermarket chains and companies. We cannot and don't want to compete with supermarket and so-called blood coffee. Good prices for small-scale farmers, sponsoring and break-even marketing without commercial gains are as important to us as high coffee quality and sustainable production.

Rising quality via networking and new co-operatives

For Café Libertad and other groups of the European solidarity network, this year's harvest losses have resulted in an expected reduction of imports by 70-85 percent. Therefore, Café Libertad Collective is co-operating with several oppositional co-operatives from Mexico and Columbia to roast filter coffee Libertad and organic espressos Durito and Rebeldia as resistive Arabica mixtures.

To maintain the classical earthy taste of Zapatista coffee, we – like other groups of the solidarity network - are importing additional coffee from the pro-Zapatista coffee co-operative Michiza in the Oaxaca region next to Chiapas.

Additionally, we have imported 560 sacks of raw coffee of the Columbian co-operative Juan Tama for the first time. Columbian highlands are among the world's finest coffee-producing regions. Co-operative Juan Tama's aromatic raw coffee in combination with the well-known earthy taste of southern Mexican highland has created a phantastic coffee which we find really delicious.

We are glad to ensure solidary trade with Zapatista co-operatives by long-term co-operation with these co-operatives in spite of temporarily decreasing harvest yields as well as refining our products' quality. Along with our enhanced drum roast procedure, a slower and more gentle roast curve and slight adjustments of the degree of roasting, we get very positive feedback.

Furthermore, Costa Rican former refugees’ Finca Sonador's harvest boasts an unusually high quality this year. Raw coffee of women's co-operative Aprolma in Honduras creates the foundation for our queer-feminist organic coffee and espresso Las Chonas, a chocolate-fruity taste which is rather prevalent even with dark roasting.

Solidarity has to be practical

We appreciate further feedback in order to solidarily enhance our coffee for daily uprising. Since in the future as well as today, solidary trade and the idea of Café Libertad Collective can work only as a common network and interface of production, distribution and consumers.

Without solidarity work and voluntary commitment, without making ourselves part of the whole, neither direct marketing enterprises as an alternative to capitalist world market trade nor direct support of uprising indigenous communities and resistant basis movements are viable. Therefore, we hope for your continued support and participation in distribution, solidarity coffee stalls or by just spreading the word of Café Libertad's idea.

Raw coffee price und calculation
for 500g roasted coffee Libertad


g
co-operative Yachil Yeni Navan JuanTama
origin Chiapas/ Mexico Oaxaca/ Mexico Columbia
raw coffee price* 88 MXN/kg 84 MXN/k2,75 USD/lb
Cost price** 5,24 Euro/kg 5,00 Euro/kg 5,55 Euro/kg


Euro Roasted coffee calculation

5,22 cost price
0,81 loss due to roasting
0,24 roasting
0,08 grinding
0,37 filling
0,04 label
0,21 packing
2,19 coffee tax
0,06 transport
0,13 storage, insurance
4,47 operating costs***
0,40 sponsoring
0,20 surplus for reserves

14,30 price per kg
7,15 unit price 500g

0,50 VAT 7,00%
7,65 retail price


* Café Libertad's raw coffee price, including various surcharges for biological production and the co-operatives' social and political work.

** Cost price after import and customs depending on port of origin, storage time and US dollar and Mexican peso exchange rates at the time of pre-payment (60%) and final payment (40%) on arrival and after quality check of the raw coffee.

*** Operating costs are a calculatory premium of 48,5% to cover external services, wages including wage tax, costs of transport, administration, financing and required means of production.
Geschrieben in News von Café Libertad
Herzberg Solistand

Aufgrund von Kriegen und einer postkolonialen Weltwirtschaftsordnung, sehen sich derzeit immer mehr Menschen zur Flucht gezwungen. Deutschland ist als führende Wirtschaftsmacht in Europa für diese Zustände sowie die europäische Abschottung der Außengrenzen mitverantwortlich. Staatliche Willkommensbekundungen haben sich dabei spätestens mit der Schließung der Grenzen nach Österreich als Heuchelei offenbart.

Die Organisation Pro-Asyl hat bereits am 7.9. eine „Abschreckungspolitik wie in den Neunziger Jahren “ kritisiert: „Um angebliche „Fehlanreize“ zu vermeiden, sollen Asylsuchende künftig nicht mehr drei, sondern sechs Monate lang in den Erstaufnahmelagern verbleiben müssen. Die Maßnahme wird flankiert vom Beschluss, die in den Erstaufnahmelagern zusammengepferchten Menschen künftig wieder der Residenzpflicht zu unterwerfen, die ihnen verbietet, sich frei im Bundesgebiet zu bewegen. Dazu sollen die Betroffenen künftig wieder mit Sachleistungen abgespeist werden – nach dem Motto: Gegessen wird, was vom Amt kommt.“ Umso wichtiger ist und bleibt die direkte Solidarität mit Geflüchteten. Nicht nur in Deutschland, sondern auch an den Außengrenzen und den Fluchtrouten Europas.

Mit Unterstützung des Burg-Herzberg Festivals 2015 konnten im Rahmen eines Solidaritätsstandes von Café Libertad Kollektiv insgesamt 3000.- Euro an Spenden gesammelt werden. Alle Unkosten wurden aus Fördermitteln von Café Libertad übernommen, so dass alle Spenden in die direkte Solidarität mit Geflüchteten geflossen sind. Wir bedanken uns bei allen Herzberger*innen für ihr Engagement und ihre Hilfe. Von St. Pauli Fans und dem Solidaritätsespresso St. Pauli Roar wurden daraufhin weitere 2000.- Euro an Fördermitteln bereitgestellt. Die insgesamt 5000.- Euro gehen an Refugees und Unterstützer*innen auf der griechischen Insel Lesbos.

Die Folgen des europäischen Grenzregimes auf Lesbos

Täglich stranden dort hunderte Menschen ohne Unterkunft, Nahrung und medizinische Versorgung. Die Situation ist dort weiterhin dramatisch. Obwohl viele Bewohner*innen der Insel Spenden sammeln und helfen, sind die Spenden vor Ort kaum ausreichend und schnell auch wieder aufgezehrt. Viele Geflüchtete müssen auf offener Straße oder am Strand schlafen. Ein Geflüchteter wurde leblos und dehydriert am Strand aufgefunden. In der Nacht zum 1.9. starb nach Berichten von Unterstützer*innen vor Ort eine somalische Mutter, die auf der Flucht war und mit ihren zwei Kindern und deren Großmutter im "offenen Teil" des Flüchtlingsinternierungslagers Moria mehrere Tage unter Bäumen lebte, um auf ihre Registrierung zu warten.

Die Aktivist*innen berichten weiter: „Der Hafen ist überfüllt, der Weg aufs Festland für viele versperrt. Mehrere tausend Menschen sind dort und täglich kommen mehr an. Der Busverkehr von NGO-Hilfsorganisationen wurde zwei Tage auf Anweisung der Polizei eingestellt. Dies bedeutet, dass die Menschen 70 km laufen müssen, wenn lokale Aktivist*innen diese nicht mitnehmen können. Eine Athener Vokü ist nach 10 Tagen Dauereinsatz weitergezogen nach Eidomeni an der Grenze zu Mazedonien mit dem Wunsch: Organisiert euch! Eine lokale Vokü-Gruppe führt deren Arbeit fort an Orten, wo Geflüchtete sich aufhalten. Am Hafen (einige tausend bei Tag und Nacht), bei Karatepe (ein ehemaliger Verkehrsübungsplatz voll mit Zelten jetzt) und bei Moria dem Internierungslager das inzwischen zum Teil offen ist, hungern die Menschen.“

Aus den Mitteln vom Burg-Herzberg-Solistand und St. Pauli Roar Fördertopf wurden Trinkwasser, Babynahrung und sonstige Lebensmittel, gemeinsame Kochstellen, SIM-Karten für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge, Zelte und Fahrgelegenheiten für Geflüchtete auf Lesbos finanziert.

Café Libertad Kollektiv wird auch weiterhin, wie viele andere Aktivist*innen, direkte Solidaritätsarbeit und Unterstützung leisten. Angesichts geschlossener Grenzen schließen wir uns aber auch antirassistischen Gruppen und der Organisation Pro-Asyl an, die festgestellt haben: "Die Solidarität mit Flüchtlingen wird sich daher nicht länger auf Kleiderspenden und Willkommensgesten beschränken können, sondern sich dringend gegen die aktuellen Pläne der Bundesregierung richten müssen.“ Deshalb rufen wir alle auf, den Protest gemeinsam mit Geflüchteten auf die Straßen zu tragen: Grenzen öffnen, Residenzpflicht abschaffen, Bewegungsfreiheit für alle!

Mehr Infos
Blog: http://lesvos.w2eu.net
Twitter: https://twitter.com/LesvosW2eu
Geschrieben in News von Café Libertad
Zapatistas Ernteverluste

Erst ist auf dem grünen Blatt nur ein kleiner gelber Punkt. Schließlich sind überhaupt keine Blätter mehr zu sehen und die Äste ragen wie nackte Arme in die Luft. Die Roja ist eine Pilzerkrankung, welche Kaffeepflanzen befällt und derzeit für dramatische Ernteverluste verantwortlich ist. Denn in der Folge verliert die Pflanze nicht nur ihre Blätter, sondern auch ihre Kirschen. Rote Früchte, jede enthält nur zwei Kerne, die im zubereiteten Kaffee oder Espresso eine lange Reise hinter sich haben. Sie werden geschält, vom Honigwasser gereinigt, getrocknet, von der Pergaminhaut befreit, sortiert, gelagert und schließlich geröstet und gemahlen, bis sie als Röstkaffee oder Espresso ihr Aroma verbreiten und bei uns in der Wohnung duften.

So eine Tasse Kaffee hätte viel zu erzählen

Auch über soziale Ungerechtigkeiten als Folge der Industrialisierung und des Welthandels. Denn die Ursachen der beschriebenen Pilzerkrankung sind sicher vielfältig, ein wesentlicher Grund für das jetzige Ausmaß der Krankheit ist jedoch auch das wärmere Klima aufgrund des steigenden C02-Ausstoßes der Industrieländer.

Überall in Mittelamerika gibt es Regionen mit massiven Ernteausfällen und katastrophalen Folgen. In der mexikanischen Region Chiapas beklagen die aufständischen zapatistischen Gemeinden in einigen Regionen Ernteausfälle bis zu 75 Prozent. Diese bedrohen nicht nur die ökonomische Autonomie der zapatistischen Kaffee-Kooperativen, sondern stellen auch eine existenzielle Bedrohung für die Kleinbäuer_innen dar. Begünstigt wird die Verbreitung von Pflanzenkrankheiten zudem durch Plantagenwirtschaft und Monokulturen in der Agrarindustrie.

Ist eine Pflanze erst einmal betroffen, ist ohne Einsatz von Pestiziden oft nur nur noch eine Radikalkur sinnvoll. Entfernung oder ein vollständiger Rückschnitt in der Hoffnung, wenigstens angrenzende Kaffeebäume zu erhalten. Erfolge wurden in jüngerer Zeit auch mit dem organischen Besprühen der Pflanzen mit einem Pilz erreicht. Dieser behindert die Verbreitung und das Wachstum der die Pflanze zerstörenden Roja-Pilzerkrankung.

Am Beispiel des Kaffees lässt sich etwas erkennen. Klimaerwärmung und ihre Folgen verschärfen die globalisierte Ungerechtigkeit. In der Geschichte hatten Klimaveränderungen immer auch weitreichende soziale Folgen. Missernten, Hunger, Krankheiten, aber auch Konflikte und Kriege in Folge von Verteilungskämpfen waren mit frühgeschichtlichen Migrationsbewegungen verbunden oder Konsequenzen von Klimaveränderungen wie etwa der kleinen Eiszeit im Mittelalter. Solche Entwicklungen sind auch im Rahmen der aktuellen Klimaerwärmung zu beobachten.

Unwetter und Missernten gab es immer, aber extreme Wetterphänomene und ihre Folgen nehmen zu. Auch Konflikte um den Zugang zu Wasser bergen ein immer größeres Krisen- und Kriegspotential. Hinzu kommt in vielen Regionen der Welt eine zunehmende Austrocknung und Verwüstung, welche den Menschen vor Ort die Lebensgrundlagen raubt und viele zur Migration zwingt. Die Ursachen und Gründe für Fluchtbewegungen sind exportiert, wie Hunger, Krankheit und viele Kriege.

Umso wichtiger ist es, Proteste gegen den Klimawandel nicht nur als Ressourcen- und Umweltschutz zu begreifen, sondern als eine der zentralen politischen Fragen nach Teilhabe und Gerechtigkeit.

Zapatistische und andere indigene Gemeinden haben dies in ihren Kämpfen bereits aufgegriffen. Beim Widerstand gegen die Folgen der Globalisierung und der Forderung nach Bewegungsfreiheit für Refugees lösen sich alte Bilder von Peripherie und Zentrum, „Dritter“ und „Erster“ Welt zunehmend auf.

Während im Norden jedoch nach wie vor das ganz große Geld verdient wird, trägt der Süden immer noch nach wie vor die Lasten dieser Form der Globalisierung. Umso wichtiger ist die Unterstützung von Kooperativen vor Ort und der gemeinsame Einsatz für globale Bewegungsfreiheit. Eine Welt in der Globalisierung die Grenzen auflöst für Menschen, deren Hoffnungen, Träume und Utopien und nicht lediglich für postkoloniale Waren und Kapitalanlagen.
Geschrieben in News von Café Libertad
Zapatista Yachil Kalkulation

Zum Selbstverständnis von Café Libertad Kollektiv gehört, einen möglichst guten Preis für die Arbeit von Kleinbäuer*innen und Kooperativen zu bezahlen. Gleichzeitig sind uns bezahlbare Preise für Verbraucher*innen wichtig: Solidarisch gehandelter Kaffee und Espresso soll kein Luxusgut für Besserverdiener, sondern für möglichst viele Menschen zugänglich sein.

Dennoch steigen in diesem Jahr die Verkaufspreise um durchschnittlich 3%, um gestiegene Import- und Finanzierungskosten aufgrund des durch die Europäische Zentralbank künstlich niedrig gehaltenen Eurokurses auszugleichen, und um bessere Rohkaffeepreise an Kleinbäuer*innen und widerständige Kooperativen weiterzugeben.

Aufgrund dieser Situation liegt der neue Verkaufspreis je nach Sorte zwischen 3,70 und 4,25 Euro bei 250g Espresso und zwischen 7,20 und 7,75 Euro für 500g Röstkaffee.

Um diese im Vergleich zur Kursentwicklung moderaten Preiserhöhungen möglich zu machen, hoffen wir auf ein insgesamt ansteigendes Interesse an solidarisch gehandeltem Kaffee und auf euere Unterstützung bei der Vermittlung der Gründe, weshalb solidarisch gehandelter Kaffee kostet, was er kostet und welche politische Idee und Praxis damit verbunden ist.

Der Wertverlust des Euro als Folge einer postkolonialen Wirtschaftspolitik

Der Euro hat gegenüber dem Dollar im Verlauf des Jahres zeitweise über 25% an Wert verloren. Der Abwertungs- und Inflationskurs der EZB folgt dabei einer postkolonialen Logik: Exporte sollen gefördert werden und Staatsschulden sich durch eine Zunahme der Inflation in Luft auflösen. Dies bedeutet eine gewaltsame Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben.

Höhere Verbraucherpreise treffen dabei vor allem ärmere Bevölkerungsschichten, die zudem von steigenden Mieten betroffen sind. Während niedrige Zinsen vor allem Menschen zugute kommen, die bereits Geld besitzen und sich z.B. Immobilien kaufen, was die Marktsituation zusätzlich verschärft. Eine Abwärtsspirale, die sich auf alle auswirkt, während durch Brot und Spiele, Olympiabewerbungen und andere Großveranstaltungen die Bevölkerung bei Laune gehalten werden soll.

Staatsschulden aus Bankenrettungsprogrammen und geplatzten Finanzspekulationen werden von der Breite der Bevölkerung getilgt, das Leben im Alltag wird teurer, während die Kurse und Gewinne an den Börsen explodieren und neue Spekulationsblasen staatlich subventioniert werden. Nicht nur innerhalb Europas, sondern im globalen Maßstab wird nach der Vorgabe „Reiche werden reicher und Arme werden ärmer“ gehandelt.

Umso wichtiger ist die Idee von Café Libertad Kollektiv: Die Unterstützung oppositioneller politischer Bewegungen und der Aufbau solidarischer Handelsbeziehungen und politischer Kooperativen als widerständige Basis gegen Austeritätsprogramme und Ausbeutungsverhältnisse.

Bessere Preise für zapatistische und widerständige Kooperativen

Trotz gestiegener Kosten durch den sinkenden Eurokurs und trotz des zwischenzeitlich fallenden Weltmarktpreises für Rohkaffee hat Café Libertad Kollektiv die Einkaufspreise nicht gesenkt, um Währungsschwankungen auszugleichen, sondern z.B. die Einkaufspreise für zapatistischen Rohkaffee um 5% auf 88 mexikanische Peso pro kg erhöht. Zusätzlich wurden Fördergelder bereitgestellt, um die Arbeit der Kooperativen zu unterstützen.

In Mexiko leiden derzeit viele Kooperativen unter der Roja, einer Pilzerkrankung, welche zuerst die Blätter von Kaffeepflanzen befällt und schließlich zum völligen Verlust der Ernteerträge führt. Zwei von drei zapatistischen Kaffeekooperativen war es in diesem Jahr deshalb nicht möglich, Rohkaffee zu exportieren. Hierzu tragen auch neue repressive Gesetzgebungen des mexikanischen Staates bei, mit denen die Marktmacht von großen Kaffeekonzernen gestärkt und der Selbstvertrieb über unabhängige Kooperativen erschwert wird.

Die Rahmenbedingungen im Welthandel werden wie vor hundert Jahren vor allem von und für große Konzerne geschaffen. Sowohl autoritäre Regierungen als auch Konzerne sind besorgt, wenn sich in widerständigen Regionen der Aufbau selbstorganisierter Produktions- und Vertriebsstrukturen entwickelt. Es fällt Konzernen dann schwerer, die Preise zu diktieren und auch der lokale Widerstand gegen staatliche Politik ist oftmals dort stärker, wo basisdemokratische Strukturen bereits vor Ort verankert sind.

Kooperativen und selbstorganisierte Kleinbäuer*innen haben dabei nicht nur mit Ernteverlusten und oftmals einer repressiven staatlichen Politik zu kämpfen, sondern auch mit den negativen Auswirkungen des Handels von Lebensmitteln als Papier an den Börsen und der Niedrigpreispolitik durch Supermarktketten und Konzerne. Mit Supermarkt- und sogenanntem Blutkaffee können und wollen wir nicht konkurrieren. Gute Preise für Kleinbäuer*innen, Fördergelder und ein kostendeckender Vertrieb ohne privatwirtschaftliche Gewinne sind uns ebenso wichtig wie eine hohe Kaffee-Qualität und nachhaltige Verarbeitung.

Gestiegene Qualität durch Vernetzung und neue Kooperativen

Für Café Libertad und andere Gruppen aus dem europäischen Solidaritätsnetzwerk resultiert aus den Ernteverlusten in diesem Jahr ein Rückgang der Importe von zapatistischem Kaffee um voraussichtlich 70-85 Prozent. Café Libertad Kollektiv arbeitet deshalb mit weiteren oppositionellen Kooperativen aus Mexiko und Kolumbien zusammen, um den Filterkaffee Libertad und den Bio-Espresso Durito und Rebeldia als widerständige Arabica-Mischung zu rösten.

Um den klassischen, erdigen Geschmack des zapatistischen Kaffees zu erhalten, importieren wir, wie andere Gruppen aus dem Solidaritätsnetzwerk, zusätzlich von der pro-zapatistischen Kaffee-Kooperative Michiza aus der an Chiapas angrenzenden Region Oaxaca.

Zusätzlich haben wir in diesem Jahr erstmals 560 Sack Rohkaffee von der kolumbianischen Kooperative Juan Tama importiert. Das kolumbianische Hochland zählt zu den besten Anbauregionen der Welt. Mit dem aromatischen Rohkaffee der Kooperative Juan Tama ist in Verbindung mit der gewohnt erdigen Note des südmexikanischen Hochlandes ein phantastischer Kaffee entstanden, der uns begeistert.

Wir sind froh, dass wir durch die langfristige angelegte Zusammenarbeit mit diesen Kooperativen nicht nur den solidarischen Handel mit den zapatistischen Kooperativen trotz vorübergehend sinkender Ernteerträge aufrechterhalten können, sondern auch die Qualität unserer Sorten weiterentwickeln konnten. Zusammen mit dem im letzten Jahr verbesserten Trommelröstverfahren, einer langsameren und schonenderen Röstkurve und leichten Anpassungen im Röstgrad erhalten wir sehr positive Rückmeldungen.

Auch die Ernte der von Bürgerkriegsflüchtlingen gegründeten Finca Sonador in Costa Rica hat in diesem Jahr eine außergewöhnlich hohe Qualität. Der Rohkaffee der Frauenkooperative Aprolma in Honduras liefert als Grundlage für den queer-feministischen Bio-Kaffee und -Espresso Las Chonas eine schokoladige, fruchtige Note, die auch bei der dunklen Röstung noch schön durchscheint.

Solidarität muss praktisch werden

Wir freuen uns über weiteres Feedback, um Kaffee für den täglichen Aufstand solidarisch weiterzuentwickeln. Denn solidarischer Handel und die Idee der Genossenschaft Café Libertad Kollektiv eG funktioniert auch in Zukunft nur als gemeinsame Vernetzung und Schnittstelle von Produktion, Vertrieb und Verbraucher*innen.

Ohne Solidaritätsarbeit und ehrenamtliches Engagement, ohne sich zum Teil des Ganzen zu machen, ist ein Direktvertrieb als Alternative gegen den kapitalistischen Welthandel und die direkte Unterstützung aufständischer, indigener Gemeinden und widerständiger Basisbewegungen nicht umsetzbar. Deshalb hoffen wir auch weiterhin auf euere Unterstützung und Mitarbeit beim Vertrieb, der Durchführung von Solidaritätsständen oder indem ihr einfach von der Idee von Café Libertad weitererzählt.

Rohkaffeepreis und Kalkulation

für 500g Röstkaffee Libertad


Kooperativen

Yachil

Yeni Navan

JuanTama

Herkunft

Chiapas/Mexiko

Oaxaca/Mexiko

Kolumbien

Rohkaffeepreis*

88 MXN/kg

84 MXN/kg

2,75 USD/lb

Einstandspreis**

5,24 Euro/kg

5,00 Euro/kg

5,55 Euro/kg


* Im Rohkaffeepreis von Cafe Libertad sind unterschiedliche Aufschläge für Bioproduktion und soziale oder politische Arbeit der Kooperativen enthalten.


** Der Einstandspreis nach Import und Verzollung ist abhängig vom Herkunftshafen, Lagerzeiten und Tageskurs von US-Dollar und mexikanischem Peso zum Zeitpunkt der Vorfinanzierung (60%) und Restzahlung (40%) nach Ankunft und Qualitätsprüfung des Rohkaffees.


*** Die Betriebskosten sind ein kalkulatorischer Aufschlag von 48,5 % zur Deckung von Fremdleistungen, Lohnkosten und darin enthaltenen Lohnsteuern, Versandkosten, Verwaltungs- und Finanzierungskosten und dem Aufwand für erforderliche Betriebsmittel.



Euro

Röstkaffee-Kalkulation

5,22

Einstandspreis

0,81

Röstverlust

0,24

Rösten

0,08

Mahlen

0,37

Abfüllen

0,04

Ettikett

0,21

Verpackung

2,19

Kaffeesteuer

0,06

Transporte

0,13

Lager, Versicherung

4,47

Betriebskosten***

0,40

Fördermittel

0,20

Rücklagen

14,30

Preis pro kg

7,15

Stückpreis 500g

0,50

MwSt 7,00%

7,65

Verkaufspreis



Preisliste als PDF zum Download
Geschrieben in News von Café Libertad
Das leckere Saborita-Olivenöl aus Spanien ist wieder bei uns eingetroffen. Die verpackungssparenden 5 Liter-Kanister sind besonders praktisch für WGs, Voküs oder Gastronomie. Der Preis liegt bei 58 Euro. Die Finca Saboritas ist ein kleinbäuerlicher Betrieb. Die hundertjährigen Oliven werden in einer natürlichen, traditionellen Anbauweise verarbeitet, um diese besondere Olive zu erhalten. Ihr Geschmack gibt der Finca seit mehreren Generationen ihren Namen. Die Finca liegt am Rand des Parque Natural de la Sierra Calderona, in mehr als 500m Höhe. Die Oliven der Sorte Serrana de Espadán sind bekannt für ihren ausgezeichneten fruchtigen Geschmack, mild und süß, ohne Bitterkeit und mit nur wenig Säure. Die Oliven werden zu ihrer optimalen Reifezeit geerntet und ausschließlich unter schonenden Verarbeitungsbedingungen gepresst, um deren außergewöhnlichen Saft zu gewinnen.
Geschrieben in News von Café Libertad

Der Kampf als Frauen, die wir sind

Dienstag, 2. Juni 2015

Zapatista Feminism

Seit der Ankunft der Konquistadoren erlitten wir die traurige Situation der Frauen. Sie raubten uns unser Land, nahmen uns unsere Sprache, unsere Kultur. Da begann die Herrschaft des Kazikentums, der Großgrundbesitzer, da begannen die dreifache Ausbeutung, die Demütigung, Diskriminierung, die Marginalisierung, die Misshandlung und Ungleichheit.

Weil die verfluchten Patrones uns behandelten als wären wir ihr Besitz. Sie befahlen uns jegliche Arbeit auf der Hacienda zu machen, egal ob wir Kinder, Ehemänner hatten oder krank waren. Man fragte uns nicht, ob wir krank seien. Wenn wir nicht zur Arbeit kamen, befahl der Patrón seinem Jungen oder dem Sklaven, Mais vor der Küche zu lassen, damit wir die Tortillas für sie machen sollten.

So verging eine lange Zeit, in der wir solcherart im Haus des Patrón arbeiteten. Wir mahlten das Salz, weil das Salz war nicht so wie heute, so feinkörnig, sondern das Salz, das man damals verwendete, waren große Kugeln und die Frauen mussten es mahlen. Und sie mahlten das Salz für das Vieh und mussten zur Zeit der Kaffeeernte die Kaffeebohnen schälen. Wenn die Frau um 6:00 morgens mit der Arbeit begann, arbeitete sie bis 17:00 nachmittags. Während des Tages musste sie fertig werden mit den Säcken an Kaffee, die sie zu schälen hatte.

So arbeiteten die Frauen. So arbeiteten die Frauen unter Misshandlung, das Wasser tragend und das Elend; das heißt, dass man sie elendiglich bezahlte; man gab ihnen eine kleine Handvoll Salz oder gemahlenen Kaffee. Das war die Bezahlung, die sie den Frauen gaben.

Und so vergingen die Jahre, in denen die Frauen litten; und wenn wir, wir Frauen, wenn manchmal unsere Kinder weinten und wir sie dann stillten, dann schrien sie uns an, machten sich über uns lustig, beleidigten uns körperlich, dass wir nichts wüssten, dass wir unnütz sind, ein Ärgernis für sie. Sie respektierten uns nicht und benutzten uns als wären wir ein Objekt.

Sie machten all das, was ihnen die Lust nach einer Frau eingab; sie suchten sich hübsche Frauen oder hübsche Mädchen als ihre Geliebten aus, und hinterließen überall Kinder; es war ihnen egal, ob die Frauen litten, man behandelte sie – mit ihren Kindern, die ohne Vater aufwuchsen – als ob sie Tiere wären.

Sie verkauften uns als wären wir eine Ware, alles das zur Zeit des Acasillamiento; für uns Frauen gab es niemals ein Ausruhen.

Ich werde jetzt ein wenig über Acasillamiento sprechen. Acasillamiento bedeutet: Sie kamen auf einer Hacienda oder einem Rancho an; sie kamen mit Familie und blieben dort und arbeiteten für den Patrón. Die Männer pflanzten den Kaffee, säuberten die Kaffeepflanzungen, ernteten den Kaffee, säuberten die Weiden, säten Zacate (Anm.: eine Futterpflanze); alles das, das Maisfeld zu bearbeiten, die Bohnenfelder, all dies war für den Patrón. So arbeiteten die Männer.

Aber abgesehen davon gibt es eine andere Sache, von der ich Ihnen erzählen kann. Abgesehen vom Acasillamiento gab es, was wir Diener, Knecht oder Versklavte nennen. Natürlich waren immer Frauen und Männer auf der Hacienda, aber diese Männer und Frauen, die Versklavte oder Diener waren und dort auf der Hacienda blieben, waren manchmal Männer und Frauen, die keine Familie hatten.

Die Familie war lediglich zum Arbeiten auf diese Hacienda gekommen; jedoch manchmal erkrankte der Vater, die Mutter, und starb; und es blieben die Kinder als Waisen zurück; und der Patrón nahm diese Kinder und sie wuchsen dort auf der Hacienda auf. Es ist nicht so, dass er sie als Adoptivkind annahm, sondern als Versklavte. Und was machten diese Kinder? Diese Kinder wuchsen auf und er gab ihnen diese Arbeit. Wenn er ein Haustier hatte – er hatte seine Haustiere: den Hund, den Affen, oder irgendein anderes Tier – gab er es seinem Diener zum Hüten, der passte darauf auf. Wo der Affe hin ging, da musste der Diener, der Knecht hin gehen, dort musste er auf ihn aufpassen, ihn baden, er musste dort sauber machen, wo das Tier schlief. So war das.

Später dann, wenn der Patrón ein Fest gab, kamen wie früher die Pfarrer auf die großen Haciendas, wenn der Patrón seine Kinder taufen ließ oder Geburtstag war, oder seine Töchter heirateten, die Trauung machten die Pfarrer. Später dann gaben sie Feste und sagten den Dienern, dass sie die Tür hüten sollten, während sie feierten, mit ihren Paten und Kumpels, mit ihren Freunden zusammen feierten, während der Diener, die Tür hütete und nicht einmal einen Hund einließ, dort wo sie feierten. Den ganzen Tag musste er da sein, solange das Fest des Patrón dauerte.

Und die Versklavten, das waren die Frauen, die das Essen zubereiteten, die Teller abwuschen, auf den Sohn des Patrón aufpassten oder auf die Kinder seiner Freunde.

So lebten die Leute auf den Haciendas, nicht weil man ihnen das Essen gegeben hätte, was auf dem Fest gegessen wurde, nein, sie tranken den Pozol (Anm.: Getränk aus gemahlenem Mais und Wasser), wenn es Pozol gab, oder aßen Bohnen, wenn es Bohnen gab; nur das aßen die Leute, während der Patrón gutes Essen aß – jedoch zusammen mit seinen Freunden.

Später dann, wenn der Patrón in eine Stadt wollte, in eine Stadt, die sechs Tage Fußweg von der Hacienda entfernt lag, war es der Knecht, der ging; oder die Patrones hatten Kinder, und manchmal hatten diese eine Behinderung, der Knecht musste den Sohn des Patrón in die Stadt tragen. Und wenn die Patrona auf die Hacienda zurückkehren wollte, musste wiederum der Knecht dorthin laufen und den Sohn tragend zurückbringen.

Wenn der Kaffee geerntet wurde, und alles andere, was auf der Hacienda zu ernten war, war es der Diener, der Knecht, der sich um die weiblichen Maultiere, die männlichen Maultiere kümmern musste. Ich weiß nicht, ob Sie sich mit Pferden auskennen; sie mussten das Pferd des Patrón satteln und absatteln, das Vieh melken, die Lasten in die Stadt bringen, wo der Patrón lebte. Wenn der Patrón in Comitán lebte, mussten sie gehen und die Lasten in Comitán abladen; die Hacienda verlassend mussten sie gehen, weil man sagte, dass sie Maultiertreiber seien. Und so litten viele Männer und versklavte Frauen zu dieser Zeit.

Und wenn es dort auf der Hacienda Obstbäume gab, und sie kletterten auf einen, um zu pflücken, sagte man ihnen, dass man sie nicht pflücken lässt, sie wieder herunter steigen müssen, gepeitscht mit einem Chicote (Anm.: Tauende). Ich weiß nicht, ob Sie das kennen, das ist eine Peitsche; sie schlugen sie. Man konnte nicht Obst pflücken ohne Erlaubnis des Patrón; denn alles, was geerntet wurde, wurde in die Stadt gebracht. So litten die Männer und Frauen.

Nach so viel Leiden der Frauen und nach der Ausbeutung im Acasillamiento merkten die Männer, wie ihre Frauen misshandelt wurden. Einige dachten, es ist besser die Hacienda des Acasillamiento zu verlassen. Einer nach dem anderen ging weg und flüchtete sich in die Berge; weil es blieben die Hügel übrig; das heißt, die Patrones beanspruchten nicht das Land auf den Anhöhen, sondern dieses blieb übrig; und dorthin flüchteten sie. Da sie dachten, dass es besser ist, wegzugehen, damit die Frauen nicht weiterhin zu leiden haben auf der Hacienda.

Bereits danach als einige schon in den Bergen waren und viel Zeit vergangen war, da merkten sie, dass es besser ist, sich zusammen zu tun und eine Gemeinschaft zu bilden; und so kehrten sie in die Berge zurück. Sie taten sich zusammen, sprachen mit einander und gründeten eine Gemeinde, wo sie leben konnten. Derart schufen sie eine Gemeinschaft.

Jedoch als sie bereits in den Gemeinden lebten – wie der Patrón transportierte hier der Acasillado eine andere Idee mit sich. Da die Männer mit dem Patrón verkehrt hatten, so schienen auch sie angefüllt mit schlechten Ideen und wendeten diese innerhalb des Hauses an als kleiner Patrón, als Patroncito des Hauses. Es ist nicht wahr, dass die Frauen befreit wurden, sondern es waren die Männer, die zum Patroncito des Hauses wurden.

Und wieder einmal blieben die Frauen im Haus als wäre es ein Gefängnis, damit sie wieder einmal nicht das Haus verlassen sollten, blieben sie wieder einmal dort eingeschlossen.

Schon als Mädchen geboren, sind wir nicht willkommen in dieser Welt; weil wir Frauen sind, weil ein Mädchen geboren wird. Das heißt, dass man uns nicht liebt. Aber wenn ein Knabe geboren wird, feiern immer noch die Männer; froh sind sie, weil sie Männer sind. Das heißt, einen schlechten Brauch der Patrones weiter zu tragen. Derart war es eine lange Zeit. Damals wenn Frauen geboren wurden, galten sie als unnütz; wenn Jungen geboren wurden, diese konnten alle Arbeiten machen.

Doch das Gute, was sie machten, war, dass sie nicht aufgaben, ihre Gemeinschaft zu bilden. Sie fingen an ihre Gemeinde-Repräsentanten zu ernennen, Versammlungen zu machen; sie lebten, feierten zusammen. Das Gute war, dass sie diese Idee nicht losließen; sie verließen sie nicht, sondern kamen immer wieder darauf zurück. Die Patrones und die Conquista wollten ihre Kultur zum Verschwinden bringen; jedoch täuschten sie sich darin, einfach so eine Gemeinschaft schaffen zu können.

Auch die Männer – weil es ist der Mann, der im Haus befiehlt, und die Frauen sind diejenigen, die dem gehorchen, was der Mann sagt. Und wenn er dir sagt, du wirst heiraten, dann wirst du heiraten. Das heißt, du wirst nicht gefragt, ob du den Mann heiraten willst, der um dich anhält. Weil der Vater nahm bereits den Schnaps, das heißt, er nahm den Schnaps schon vorher an, und zwingt dich den Mann zu heiraten, den du nicht liebst.

So litten wir dieses Mal durch die Ehemänner, weil sie uns sagten, dass die Frauen nur für die Küche taugen, lediglich dazu nutze sind, den Ehemann zu bedienen, die Kinder zu hüten. Und die Männer natürlich nie die Kinder umarmten; das heißt, sie unterstützten die Frauen nicht, sondern sie machten dir ein Kind und was kümmerte sie, wie du dein Kind aufziehst. Und wie – ich werde jetzt von der Realität sprechen, so wie sie viele Jahre war – und wie manchmal wir Frauen sagten: Jedes Jahr wird ein Baby geboren, jedes eineinhalb Jahr wird ein Kind geboren, das heißt, wie kleine Staturen wachsen die Kinder auf; in ein bis eineinhalb Jahren, schon ist das nächste da; so wie kleine Leitersprossen wachsen die Kinder heran. Aber dem Vater ist es egal, ob die Frau leidet, denn die Frau muss das Brennholz tragen, das Maisfeld bestellen, muss das Haus sauber machen, muss fegen, die Tiere versorgen, die Kleider waschen. Die Frauen müssen das Kind versorgen, es windeln, all das; all das ist Arbeit der Frauen.

Und deshalb sagen wir Frauen, dass wir die dreifache Ausbeutung der Frau erleiden, weil: Die Frau muss um 3:00 oder 4:00 morgens in der Küche sein, es hängt davon ab, wann die Männer zur Arbeit gehen. Die Frauen müssen frühzeitig aufstehen, um den Pozol zu machen, den Kaffee, das Frühstück für den Mann. Der Mann geht zur Arbeit, kommt am Nachmittag zurück und möchte, dass sein Wasser her getragen wurde, dass Wasser zum Baden da ist. Der Mann badet sich, verlässt das Haus, um spazieren zu gehen, zu spielen, und die Frau verbleibt wieder einmal den ganzen Tag im Haus; bis hin zum Abend, bis zu dieser Stunde, hat die Frau noch nicht geschlafen, bis sie dann um 20:00 schlafen geht.

Und solcherart erleiden wir viel. Es ist dem Mann egal, ob du krank bist, wie du dich fühlst, er fragt dich nicht. So ist das. So lebten sie in Wirklichkeit, so lebten die Frauen; wir lügen nicht, denn so haben sie gelebt.

Damals wenn du in eine Kirche gingst oder in ein zeremonielles Zentrum, wo sie ein Fest machten, dorthin gingen auch die Frauen manchmal – jedoch mit gebeugtem Kopf. Das heißt, du durftest nicht den Kopf heben, du musstest gebeugt laufen, nicht zur Seite schauen, den Kopf bedeckt mit dem Rebozo (Anm.: Tuch, Tragetuch), so, auf solche Weise, dass dein Gesichtchen dort so verblieb.

So verging viel Zeit, in der der Mann diese schlechten Ideen mit sich schleppte, diese schlechten Lehren. So war das, Compañeros. Als ob wir nichts wären. Als ob nur die Männer Autoritäten sein könnten, nur sie auf die Straße gehen könnten, nur sie teilnehmen könnten.

Es gab keine Schule. In einigen Gemeinden gab es dann Schulen, aber auch da gingen wir nicht in die Schule, weil wir Frauen sind. Sie ließen uns nicht zur Schule gehen. Wenn wir zur Schule gingen, sagten sie, dass wir nur dorthin gehen würden, um einen Ehemann zu suchen, dass es besser wäre, die Küchenarbeit zu lernen, weil natürlich würden wir einen Ehemann haben und alles lernen müssen, wie der Ehemann zu bedienen sei.

Und wenn er uns schlug, wenn uns unser Ehemann beleidigte, konnten wir nicht Einspruch erheben. Und wenn wir Hilfe suchten bei anderen Institutionen der schlechten Regierung, – sie sind die Schlimmsten, weil sie die Männer unterstützen, den Männern mehr Recht geben. Und wir blieben still, gedemütigt, beschämt eine Frau zu sein.

Wir hatten kein Recht, an den Versammlungen teilzunehmen. Sie sagten uns, dass wir eine »Dumme Trine« sind, unnütz, dass wir zu nichts taugen. Sie ließen uns im Haus zurück. Wir hatten nicht die Freiheit.

Es gab keine Gesundheitsversorgung, obwohl es Kliniken gab, Hospitäler der schlechten Regierung. Das heißt, dass sie uns nicht versorgten, weil wir nicht spanisch sprechen konnten; und manches Mal kehrten wir zurück und viele Frauen und Kinder starben an heilbaren Krankheiten. Weil natürlich sind wir nichts für sie, diskriminieren sie uns, weil wir Indígenas sind; sie sagen zu uns, dass wir »feige Indios-Trampel« sind, dass wir die Kliniken, die Hospitäler nicht betreten können, weil sie uns nicht lassen, sie behandeln nur andere Leute – die, die Geld haben.

All das erlitten wir am eigenen Leib. Niemals hatten wir die Gelegenheit zu sagen, was wir viele Jahre gefühlt haben – wegen der Lehre durch die Konquistadoren und schlechten Regierungen.

Comandanta Miriam, 6. Mai 2015

Quelle
Geschrieben in News von Café Libertad
Guten Tag Compañeros, Compañeras.

Worüber ich sprechen werde - sprechen, nicht lesen – hat damit zu tun, wie die Wirtschaft aus der Sicht der Comunidades war bzw. ist, also über den Kapitalismus. Ich werde darüber sprechen, wie es vor 30 Jahren war, vor 20 Jahren und wie es in den letzten Jahren aussieht. Ich werde in drei Teilen sprechen: wie die Comunidades seit jeher leben, wie sie vor 30 Jahren lebten; wie leben jetzt die, die nicht wie die Zapatist*innen organisiert sind und zum Schluss wie wir Zapatistinnen und Zapatisten leben.

Das heißt nicht, dass wir nicht wissen, wie es in den früheren Jahrhunderten war, wir wissen es. Aber was wir hier betonen wollen sind die 30 Jahre seit 1983. Im Jahr 1983 als die Gruppe der Compañeros hierher kam, seit damals sind 30 Jahre vergangen.

Als die zapatistische Nationale Befreiungsarmee noch nicht gegründet war, damals waren wir, die Indigenen aus Chiapas für das kapitalistische System nicht existent, nicht als Menschen, nicht als humane Wesen. Nicht einmal Müll waren wir für sie. Und so ähnlich stellen wir uns vor, erging es den anderen indigenen Brüdern in den anderen Teilen unseres Landes. Und so ähnlich stellen wir uns vor, war es auch in allen Ländern, wo Indigene leben.

Wo wir leben, das heißt auf den Hochebenen, den Bergen, das sind ihre Reserven. Sie wissen nicht, ob dort Indigene leben, in der sogenannten Biosphäre der Montes Azules. Und so zählte niemand, wie viele Kinder geboren werden. Das heißt, der Kapitalismus weiß nichts, niemand macht die Zählung, denn wir existieren nicht für ihn.

Wie haben wir denn dann überlebt? Nun mit der Mutter Erde. Die Mutter Erde gab uns das Leben, auch wenn es keine Regierung gibt, keine Gouverneure oder Bürgermeister, die sich unserer erinnern. Wir sind vergessen. Nur was es da gab in unseren Dörfern, die besten Böden, da gibt es einige Männer, natürlich auch deren Frauen, die Gutsbesitzer, die Grundherren, die Großgrundbesitzer.

Sie besitzen Tausende von Hektar von der guten Erde, gutes Wasser, gute Flüsse. Deshalb haben sie uns von dort vertrieben, auf die Hochländer, denn für sie sind diese Berge wertlos, sie holen da nichts raus und dorthin haben sie uns vertrieben.

Wozu sind diese Tausende von Hektar der guten Erde, die ihnen gehören gut? Um darauf Tausende Stück Vieh zu weiden. Wie haben sie sich so viele Jahre dort halten können? Weil sie gute Revolverschützen haben, wir nennen diese die weißen Wachen, die es nicht zuließen, dass wir auf ihr Terrain kamen, den Boden der ihnen gehörte, wie sie behaupteten.

Daher, wie sollen wir über die Ökonomie in den Comunidades sprechen, wenn wir dort vergessen wurden. Das einzige was geschah war die Ausbeutung auf ihrem Besitz, wo unsere Großväter und Urgroßväter arbeiten mußten. Was also passierte war, dass wir einfallsreich sein mussten, um zu leben oder um zu überleben auf unserer Mutter Erde, und wir mussten allen Bösartigkeiten, die der Großgrundbesitzer und der Gutsherr gegen uns anwendeten widerstehen.

Niemals wurde eine Straße gebaut, niemals gab es etwas das sich Spital oder Klinik nennt, ganz zu schweigen von einer Schule, der Bildung. Es gab niemals Gesundheitskampagnen, noch Programme, keine Stipendien, gar nichts, wir waren vergessen.

Und dann - wie wir es nennen, denn ich spreche im Namen aller Brüder und Compañeros, die wir jetzt organisiert sind, ich spreche nicht für mich allein - haben wir vor 20 Jahren die kapitalistische Ökonomie in den Comunidades gesehen, wie sie begannen, sich zu interessieren, nicht so sehr wegen der Comunidades sondern wo wir leben, wo wir lebten, denn es gibt ja auch bereits Brüder und Schwestern und Compañeros und Compañeras die tot sind.

Als erstes ist zu sagen, dass es ihnen nicht genügte, dass sie die besten Böden haben, die sie schon viele Jahre genützt hatten. Jetzt merken sie, dass auf den Bergen, den Höhen eine andere Ware für sie ist, und zwar die Naturvorkommen. Und da beginnen sie sich wieder zu organisieren um uns wieder zu vertreiben, von dort, wo sie uns hingetrieben hatten, jetzt wollen sie uns wieder von hier wegtreiben. Das heißt, sie wollen uns enteignen und vertreiben, weil sie diesen Reichtum für sich haben möchten.

Und dieser Reichtum, der sich hier vorfindet, den schützen wir so wie unsere Urgroßeltern das getan haben, das wollen sie alles mitnehmen, wegbringen, dieser Kapitalist und in wenigen Jahren werden sie alles zerstören, alles was seit Millionen Jahren in der Mutter Erde ruht.

Wie kann das sein? Ihr wisst es, ich wollte nur dran erinnern, wie der Betrug, die List funktionierten, welches das kapitalistische System einsetzte, das war nämlich damals, als sie den Artikel 27 änderten, damals wurde erlassen, dass die Ejidos privatisiert werden können, denn was sie wollen ist, dass jetzt die Mutter Erde verkauft werden kann oder verpachtet.

Ich muss Sie jetzt einladen, dass sie ein wenig Ihre Einbildungskraft einsetzten, denn wir sprechen von vor 20 Jahren, das heißt, als wir bereits in der Öffentlichkeit erschienen sind.

Also, als die Regierung merkte, wie es hier ist, da plötzlich - natürlich mit verschiedenen Vorwänden, einer davon lautete, dass die schlechte Regierung nun tatsächlich unsere Forderungen erfüllt – fangen sie an, Straßen zu bauen, aber nicht für das, was sie sagen, sondern wegen der Änderung des Artikel 27, nämlich um die Ejidos zu privatisieren. Und so nützen sie die Gelegenheit doppelt für sich aus, denn sie haben bereits mitbekommen, dass wir uns erhoben hatten, jetzt tun sie so, als ob sie unsere Forderungen erfüllen würden, bauen Straßen, Projekte werden begonnen, und ein Projekt, das eine Million oder zwei Millionen Pesos kostet, und davon gibt es dann hundert, zweihundert, ja vielleicht sogar dreihundert Projekte, da rollt ein wenig von diesem miserablen Geld, aber bis in die Comunidades kommt nichts, das bleibt an diesem Haufen der Regierenden picken, aber sie reden von den Projekten, davon erzählen sie uns.

Ich kann gar nicht alles erzählen, was die Compas und auch die Brüder erzählen, sie sagen, da gibt es Projekte die heißen ´Kleiner Fisch¨, weiß der Teufel was das ist, dieser kleine Fisch. Daher sage ich, dass sie viele Projekte aufteilen und wenig Geld gibt es.

Und es beginnt bereits mit einigen Schulen, einigen Krankenhäusern. Die Schüler können noch nicht mal lesen und da sagen sie schon, dass sie ein Stipendium bekommen. Und zu den Krankenhäusern da sagen sie, dass sie den Menschen die Volksversicherung geben, denn mit dieser E-Card wird man gut und richtig behandelt, und wenn die Menschen dann wirklich ins Spital kommen, dann müssen sie hören, dass kein Arzt oder keine Ärztin da ist, und wenn sie doch da sind, dann sagen sie, dass es keine Arzneimittel gibt, wenn aber doch der Arzt oder die Ärztin anwesend sind und es auch Medizin gibt, dann ist die sicher bereits abgelaufen. Aber nachdem wir nicht lesen können, ist da der Doktor oder die Doktorin, sie geben dir die abgelaufene Medizin, man nimmt sie, aber die lindert den Schmerz den du hast nicht. Der Witz ist, dass sie dir etwas geben, irgendein Medikament, und du weißt nicht mal, ob das wirklich das richtige für deine Krankheit ist.

Also wie ich Ihnen sagte, begannen sie viele Projekte und mit diesen Dingen von denen ich erzählte und so vergingen die Jahre. So machte die schlechte Regierung viele Projekte mit wenig Geld zum verteilen, und das dient dazu, dass die schlechte Regierung die Überwachung hat über die, die Zapatist*innen werden wollen. Ich glaube sie nennen das die Kampagne der Aufstandsbekämpfung oder den Krieg der niederen Intensität, ich weiß nicht, wie sie es nennen, aber es handelt sich um eine Überwachung, damit du nicht mehr kämpfst, jetzt werden wir alle deine Forderungen erfüllen, hier da hast du. Außerdem, falls du Zapatist*in wirst, schau her, da ist meine Armee, sie sind besser ausgerüstet, du kannst so nur den Tod finden. Daher ist das eine Kampagne um uns zu überwachen.

Ich erzähle das weil diese Comunidades, jene, die die Privatisierung des Ejidos zuließen, denn es gab solche, die es zuließen, die sind bereits so, man könnte sagen wie in den Städten, es gibt unter ihnen Vagabunden, sie gehen herum, haben keine Bleibe, sind Drogenabhängige vom Thinner und alle diese Dinge. Ebenso ist es in den Comunidades, weil sie ihren Boden verkauft haben, denn sie haben die Papiere erhalten, die Eigentümerurkunde, wie ein Ranchero, ein kleiner Ranchero, ein Kleinbesitzer, also sie erreichten dass es ihr Eigentum wurde und dann verkaufen sie und ihnen bleibt die Straße, sie haben kein Feld mehr um Mais und Bohnen zu säen.

Andere die die unterschiedlichsten Projektförderungen erhalten haben, denen werden jetzt Zinsen kassiert, wie das der Kapitalismus vorschreibt. Nur um einige Beispiele zu nennen, dort wo sich das Caracol La Realidad befindet, gibt es eine Comunidad namens Agua Perla, dort wo der Jataté Fluss ist. Dieses Dorf hat Projekte bekommen, und jetzt kam eine Gruppe wie sie sagen, wie wir sagen, caxlanes, Mestizen und die sagen: wisst ihr was Señores, hier ist was ihr schuldet, dieser Boden gehört nicht mehr euch und damit ihr seht und damit es keine Probleme gibt, sagen wir euch geht nach Escárcega –das heißt nach Campeche, ich glaube in Campeche liegt Escárcega–, oder geht nach Oaxaca, wo die Regierungen von Chiapas und von Oaxaca sich um die Las Chimalapas streiten.

Dort hin zu gehen, bieten sie diesen Parteianhängern an, ich muss wieder Parteianhänger sagen, denn früher waren es die PRI-Parteianhänger die uns belästigten, jetzt gehen alle Parteien auf uns los, daher nennen wir sie jetzt Parteianhänger.

Eine andere Comunidad in Roberto Barrios, namens Chulum Juárez, erhielten Projekte. Dasselbe, sie haben ihnen eine Straße angeboten und die Comunidad akzeptierte es, denn es ist eine Asphaltstraße und sie haben es so schnell gemacht, nur wenige Monate hat es gedauert, und sie ist gut gemacht. Als die Straße fertig war erhielten sie ihren domo, so ähnlich nennen sie die dünnen Blechlamellen und andere Dinge, da haben sie auf die Straßen der Comunidad Schotter gebracht, und nachdem alles da war und die Straße fertig, da kommen sie und sagen: wisst ihr was Señores, ihr müsst gehen, denn der Berg dort, der enthält Uran und die Regierung wird es herausholen und daher müsst ihr gehen, geht nach Oaxaca, wenn ihr gehen wollt, sonst müssen wir euch gewaltsam vertreiben.

Das ist es, was sie seit 20 Jahren vorbereiten, jetzt führen sie es aus. Noch dazu mit der Änderung der Gesetze, zu Gunsten des kapitalistischen Systems, haben sie es bereits erreicht, das sagen sie, das sagt das Papier. Was wir sagen ist folgendes: das Papier sagt, dass das bereits erlaubt ist, aber es fehlt noch, dass die Menschen mitmachen, ob die Menschen das wirklich zulassen, und es fehlt auch noch, dass wir Zapatist*innen da mitmachen.

Die Sachen, die ich euch erzähle, kommen daher, weil wir uns fragen, weil wir die vergangene Geschichte, unsere eigene, beobachten und wir sagen: Warum verändert sich der Kapitalismus sehr wohl, um immer mehr zu dominieren und um immer mehr zu haben, wo sie eh schon so viel haben? Warum verbleiben wir die Ausgebeuteten immer unverändert?

So fragen wir uns, denn die Brüder und Schwestern wie wir sie nennen, die Parteianhänger, da unterscheiden wir auch wen wir so nennen. Wir nennen sie Brüder und Schwestern die Parteianhänger*innen, jene die uns nichts tun. Aber zu den Paramilitärs, diesen Arschlöchern sagen wir nicht Brüder und Schwestern.

So ist das mit den Brüdern die Parteianhänger sind. Als wir ans Licht der Öffentlichkeit getreten sind – die Compañera Vilma hat bereits darüber gesprochen – haben wir Zapatisten gesagt, dass wir die Mutter Erde zurückgewonnen haben. Das ist so, wie wenn sie uns unsere Mutter genommen hätten und man suchen muss, wo sie ist, und wenn du sie findest, dann musst du sie zurückholen. Man kann dafür verschieden Worte verwenden. Der Punkt ist, komm Mutter, nicht wahr? Nicht unter uns streiten.

Ja da ist so etwas Ähnliches passiert, sie haben uns unsere Mutter genommen und wir haben begonnen, uns zu organisieren, denn das ist das erste. Zu aller Anfang muss man sich organisieren und das haben wir getan. Wir mussten uns organisieren, die Frauen und Männer um zurückzubekommen, da gibt es keine andere Art, wie man es nennen könnte.

Denn aus der Mutter Erde kommt alles, daher mussten wir die Mutter Erde zurückerobern und wir begannen, uns zu organisieren, wie wir sie bearbeiten werden. Dann vergingen die Jahre und die schlechte Regierung und die Eigentümer, die Großgrundbesitzer begannen zu sagen, dass wir die Zapatistinnen und Zapatisten daran schuld sind, dass diese Böden, Tausende von Hektar unproduktiv seien. Und wir Zapatistinnen und Zapatisten haben das akzeptiert, für die Großgrundbesitzer oder für den Kapitalismus sind diese Böden nicht produktiv, denn es werden nicht mehr Tausende und Abertausende Stück Rinder abtransportiert wie das die Großgrundbesitzer früher getan haben, jetzt gibt es Tausende und Tausende von Maiskolben, so wie diesen hier.

So winzig klein hat ihn uns zuerst die Mutter Erde gegeben, die uns die Großgrundbesitzer weggenommen hatten. Es stimmt nicht, dass wir sie ihnen wegnehmen, denn sie gehörte ja uns, aber sie haben sie so schlecht behandelt die Mutter Erde, dass die ersten Produkte die wir ernteten soo klein waren. Aber nachdem unsere Großeltern ja zu arbeiten verstehen, haben wir uns schön langsam wiedergefunden, auf und mit unserer Mutter Erde.

Diese wiedergewonnenen Böden bearbeiten wir in der Gemeinschaft. Wenn wir sagen in der Gemeinschaft, dann bedarf es viel Praxis, damit du da Dinge entdeckst. Zum Beispiel haben wir zu Beginn begonnen, die Erde im Kollektiv zu bearbeiten, alle zusammen, das heißt, niemand hatte sein eigenes Stück milpa (Feld), sondern alles zusammen und alle zusammen. Dann gab es da manchmal sehr viel Regen, sehr viel Trockenheit, ein Unwetter und da haben wir Ernten verloren. Alsdann sagten die Compañeros, so geht es nicht, es ist besser, wenn wir beginnen uns zu organisieren, wir müssen Übereinkommen treffen, wie viele Tage wir in der Gemeinschaft arbeiten und wie viele Tage für uns allein.

Und es waren vor allem die Compañeras, die uns auf diese Gedanken brachten. Denn sie sind es, die die Gewürze der Speisen anpflanzen, wir sagen dazu Schnittlauch, Zwiebel und andere Gewürze, die die Compañeras in der Küche verwenden. Und nachdem das im Kollektiv gebaut wird und die Compañeras ihre Töchter und ihre Söhne auf das Feld schicken um das zu holen, dann mal einer oder eine alles mitnimmt dann bleibt nichts für die anderen, denn da gab es noch keine Übereinkommen darüber.

Dann haben wir das als ein Problem gesehen und da haben dann die Compas viele Sachen entdeckt. Denn da will einer Maiskolben und nachdem es allen gehört, wenn jemand alles nimmt, dann stimmt das nicht, aber das geschieht deshalb, weil es noch kein Übereinkommen gibt. Was daher dann die Compas machen ist eine Übereinkunft, so viele Tage werden wir die Gemeinschaftsarbeit für alle machen und so viele Tage arbeiten wir für uns.

Und die gemeinschaftliche Arbeit macht man auf dem Niveau des Dorfes, das heißt lokal, kommunal. Dann auf Niveau regional, so nennen wir es. Von Region sprechen wir, wo bereits 40, 50 oder 60 Dörfer zusammen gehören, das nennen wir Region. Und dann folgt die gemeinschaftliche Arbeit auf dem Niveau des Gemeindebezirkes, wenn wir vom Niveau Gemeindebezirk sprechen, dann sind da manchmal 3, 4 oder 5 Regionen beisammen und das ist dann bereits der autonome rebellische zapatistische Gemeindebezirk. Und wenn wir von der gemeinschaftlichen Arbeit der Zone sprechen, dann sind das alle Gemeindebezirke, die sich in einer Zone befinden, wie zum Beispiel die Zone La Realidad oder die von Morelia oder von Garrucha, die fünf Zonen halt.

Daher, wenn man von Zonen spricht, dann sind das schon Hunderte und Aberhunderte von Dörfern, wenn man von Gemeindebezirk spricht, sind das Dörfer in zweistelligen Ziffern. So wird die gemeinschaftliche Arbeit gemacht, und diese gemeinschaftliche Arbeit wenden wir nicht nur auf der Mutter Erde an.

Ich erinnere nur daran, wie der dahingeschiedene Sup Marcos seinerzeit gesagt hat, als sie uns verurteilten, wie wir uns als Antikapitalisten bezeichnen können, wenn wir aber Coca Cola trinken. Ich weiß nicht, ob sich irgendjemand der hier ist, daran erinnert. Wie soll ich euch das erklären. Es ist so, dass sie uns idealisieren, sie glauben, alles was wir sagen wird auch so ausgeführt. Nein Compañeros und Compañeras, Brüder und Schwestern, das ist nicht immer leicht. Was aber Sache ist, ist die, dass wir organisiert sind.

Ich werde ein deutlicheres Beispiel erzählen. Ich erinnere mich, wie eine Compañera aus der Stadt sehr böse war, weil sie sah, dass ein zapatistischer Compa seine Compañera anschrie, denn er war nämlich betrunken, besoffen, angetrunken. Da sagten wir zur Compañera: beruhige dich Compañera, denn diese Compañera wird zur Autorität gehen und ihre Klage vorbringen, morgen, übermoren, dann wird dieser Compa bestraft werden. Aber du denkst wenn wir sagen ´sauber´, dann ist alles sauber und wenn wir sagen ´schwarz´, dann ist alles schwarz. Nein, das ist idealisieren. Aber dagegen ist es so, dass die Compañera Klage erheben wird und dann kommt die Sanktion.

Der Punkt ist, organisiert sein. Denn früher war es so, da gab es unzählige Fälle von misshandelten Frauen, und dieses Problems nahm sich weder der Syndikus, noch der Gemeinderat oder der Bürgermeister an, im Gegenteil, der Syndikus, der Gemeinderat, der Bürgermeister die waren oft noch schlimmer, wie werden solche dann das Problem lösen.

Gut also wir sprechen von der kollektiven Arbeit. Wie gesagt, auch andere Arbeiten werden gemeinschaftlich ausgeführt, zum Beispiel im Verkauf dessen, was ich euch gerade erklärt habe, nicht weil wir es gerne tun. Denn für uns Zapatistinnen und Zapatisten ist es so, damit der Kapitalismus aufhört, müssen wir ihn zerstören. Und ein Weg zur Zerstörung ist der, ihm die Produktionsmittel zu nehmen, indem wir sie uns aneignen und wir selbst sie verwalten. Wenn wir dann die Dinge verkaufen, zum Beispiel das hier, das ist Erde, aber das dort, was ist das? Dort die Blumen? Sind die schon vom Kapitalismus produziert oder nicht? Diese Brillen die Sie aufhaben? Und das dort? Alles was Sie an sich tragen?

Aber wir verstehen es, und das ist eine Art, am Kapitalismus zu kratzen. Wenn wir sowieso seinen Gewinn vermindern werden, das ist wahr. Das ist keine Lüge, wir verstehen es. Wir erinnern uns, denn wir kommunizieren alles gegenseitig, denn eine Sache ist es, etwas zu sagen, eine andere, etwas zu tun. Zum Beispiel, erinnere ich mich an viele NGOs die hier sagten, wir erlauben nicht dass hier ein Chedrahui – Supermarkt herkommt und wir werden dort nichts einkaufen. Nicht einmal zwei Wochen sind vergangen. Daher wiederhole ich, es ist eine Sache etwas zu sagen und eine andere, etwas zu tun.

Gut nun, jetzt werde ich anfangen, Dinge zu erzählen die wir langsam entdeckten, was die kollektive Arbeit ist und dass es da verschiedene Dinge gibt, nicht nur die Arbeit mit der Mutter Erde. Wir begannen das über den Widerstand zu sehen, wir begannen das zu entdecken.

Wir begannen den Widerstand, die Compañeros und Compañeras in unseren Dörfern. Jetzt werde ich erzählen, wie dieser Gedanke des Widerstandes entstanden ist. Nun, in jenen Zeiten als wir uns erhoben haben hat die Regierung, die schlechte Regierung begonnen, Spione, Langohren, ich weiß nicht, wie man das sonst noch nennt, zu verwenden. Also sie brauchten jemand, der hörte und sah, was die Zapatisten tun, wie sie sich bewegen. Und da haben die Compañeras und Compañeros bemerkt, dass die Lehrer und Lehrerinnen solche Spione, Langohren sind. Und sie verjagten sie.

Damit entsteht aber ein Problem, jetzt haben wir keinen Lehrer, keine Lehrerin mehr. Gut, wir mussten uns etwas einfallen lassen, wir mussten etwas tun, wir mussten etwas schaffen. Und da, wie ich schon sagte, begann die Regierung Anstalten zu zeigen, dass sie viele Projekte machen werden. Wie wenn sie neidig wären. Wir haben sofort verstanden, wenn sie das geben was sie geben ist es deshalb, weil die Regierung nicht will, dass jemand Zapatist wird, das heißt, sie geben unseretwillen. Aha so ist das haben wir gesagt.

Da war es dann, wo die Compañeras begannen, nein zu sagen, denn im Jahr 1994 sind aufständische Compañeros, Milizianos gestorben. Diese Compañeras begannen zu sagen: wir gingen damals in Waffen und unsere Compañeros sind gestorben. Wie werden wir dann jetzt ihre Reste annehmen, Almosen annehmen, Brosamen annehmen, die die schlechte Regierung verteilt. Was sie damit vorhaben ist, uns zu kaufen, so wie sie die kaufen, die keine Zapatisten sind, damit sie nicht Zapatisten werden.

Und dieser Gedanke wurde produziert und reproduziert, dass es dasselbe ist wie kämpfen, das Nichtannehmen – so haben wir begonnen – nichts von der schlechten Regierung anzunehmen. Etwas später haben wir dann entdeckt, dass das nicht nur ein Nicht-Annehmen ist. Das sage ich euch nur deshalb, weil wir damals gesehen haben, dass sie den Parteianhängern viele Projekte gaben und das war dann der Moment als wir Zapatistinnen und Zapatisten sagten, dass wir die Mutter Erde bearbeiten müssen. Und als wir das sagten, sagten die Compañeras und Compañeros: ja, denn als unsere Großeltern und Urgroßeltern lebten war das ja auch so. Oder hat unseren Großeltern jemand Bohnen, Reis, Öl und Milch geschenkt? Nein, ganz im Gegenteil, alle die Arbeitskraft unserer Großeltern kam dem Patron, dem Arbeitgeber zugute. Und jetzt, warum wird dir die Regierung jetzt ein Kilo von Minsa, Maseca und Bohnen geben? Außerdem ist das genverseucht, wie sie das nennen, und Chemie, nicht mal die Milch ist echt.

Ja das war dann, als wir sagten, dass wir die Mutter Erde bearbeiten müssen. Dann, in dem Masse, wie wir diesem Widerstand mehr Kraft widmeten, hatten dann die Compas, die das verstanden haben, bald Bohnen, Mais, Kaffee, Schweine, Truthähne, Haustiere. Und dann haben die, die Parteianhänger sind Wellblech, Zement, Baustäbe und alle diese Dinge bekommen. Da sie aber die Erde nicht bearbeiten und die Compas dagegen wohl und wenn diese dann Wellblech usw. brauchen dann verkaufen sie. Die Compas kaufen es ihnen dann ab, denn sie haben das Geld, weil sie ja die Erde bearbeiten.

Als die Compas das merkten, diese Sache, die wir entdeckten, ihr dürft nicht vergessen, sie sind reine Praktiker die Indigenen, also wir. Wenn wir sehen, dass es so funktioniert, dann sagen wir hier, ¨die Sache ist haben sie versaut¨, dann machen wir es alle so, denn wir haben gesehen, dass es funktioniert und dann bearbeiten unsere Compas mit noch größerer Freude die Felder.

Und da beginnt die Regierung zu sagen, dass sie so viele Projekte geben, sie sehen die Wellbleche, die roten, denn es sind lauter rote Wellbleche, und ja, auch die Compas geben sie oben drauf, den Himmel nennen sie es, das rote. Und die Regierung sagt, dort ist es, alle diese Dächer sind von Projekten aber das ist nicht wahr, das sind die Häuser unserer Compas, die dieses Wellblech kaufen. Und die Regierung hat es bemerkt, jetzt kontrollieren sie es, jeder muss beweisen, dass er ein Haus baut, und die Parteianhänger haben dasselbe gemacht, denn die Parteien geben auch die Hausprojekte und auch sie fordern den Beweis, dass der Empfänger ein Haus baut, denn sonst geht das Material zu den Zapatistas, so sagen sie.

Andererseits, wenn wir aus den zapatistischen Comunidades sehen, wie es den Brüdern die Parteianhänger sind geht, ehrlich gesagt, Compañeros und Compañeras, Brüder und Schwestern, es ist traurig zu sehen, wie sie leben. Es ist bitter mit anzusehen, wie es ihnen geht. Denn viele ihrer Jugendlichen, Männer und Frauen, die wir gekannt haben, sind nicht mehr hier, sie folgten dem amerikanischen Traum, auf der Suche nach dem grünen Geld, den Dollar. Und viele sind nicht mehr zurückgekehrt. Andere, die zurückgekehrt sind, sind total verändert, andere, die zurückgekehrt sind, geht es schlecht, sie sind drogensüchtig, rauchen Marihuana. Und die die nicht Marihuana rauchen, haben ihre Kultur verändert, sie sagen, dass sie den Pozol nicht mehr mögen, noch schlimmer, sie sagen, dass sie den nicht mehr kennen.

So kommt der Sohn oder die Tochter zurück und kommt in das Haus seines/ihres Vaters und seiner/ihrer Mutter. Und Vater und Mutter sind unverändert, denn die Regierung hat sie daran gewöhnt, dass sie mit gekreuzten Armen warten, sie haben es bereits im Kopf programmiert, dass sie hie und da etwas erhalten werden, das heißt dann ¨Oportunidades¨, ich glaube, jetzt nennen sie das ´Prospera´. Das heißt, die Brüder die Parteianhänger sind, wurden, wie soll ich sagen, zu nutzlosen Menschen gemacht, denn sie bearbeiten die Erde nicht mehr. Ich glaube, das Wort das sie dafür verwenden lautet unterwürfig, ich glaube, so heißt das.

In der Zeit der Sklaverei da merkst du wenigstens, wer dein Patron, dein Herr ist, wer dich versklavt. Aber in diesem Fall nicht, denn er manipuliert dich, er gewöhnt dich an etwas, er programmiert deinen Chip, das heißt, deinen Kopf, dein Hirn. Dann verstehst du nichts mehr und außerdem siehst du nicht, wie das Gesicht des Peña Nieto oder des Velasco aussieht, noch das des anderen, jenes halt, der dich begaunern wird.

Warum machen sie das? Weil das die andere Seite der Art ist, wie sie erreichen, was sie erreichen möchten, das heißt, die Mutter Erde, um ihren Reichtum auszupressen. Sie verwenden nicht nur einen Weg, mit dem sie versuchen uns mit Gewalt die Mutter Erde abspenstig zu machen. Was sie nicht wollen ist, dass Armee und Polizei kommen und morden, aber der Tag wird kommen, wenn das Volk es nicht mehr erlaubt. Was sie im Moment machen, das ist das Vergeben von Projekten, dann gewöhnst du dich daran, sie programmieren dich so, dass du dich daran gewöhnst, die Erde nicht zu bearbeiten und wenn du daran gewöhnt bist, dann kommt es noch schlimmer, wenn du das Papier, das heißt das Dokument hast, dass du der Grundbesitzer bist, dann verkaufst du.

Damit sie die Erde bekommen, das ist das, was mit den Brüdern Parteianhängern geschieht. Das ist es, was der Kapitalismus erreichen will, das was in der Mutter Erde ist.

Wenn wir sagen, dass es in den Comunidades der Parteianhänger sehr traurig aussieht, möchte ich dazu ein Beispiel nennen. Und hoffentlich sind diese Brüder und Schwestern hier, damit sie das hier sehen, sie bestätigen was wir sagen. Es gibt eine Comunidad dort in der Zone von La Realidad, ich glaube sie heißt Miguel Hidalgo, in der Nähe des Dorfes Nuevo Momón. Diese Brüder waren bis vor wenigen Monaten Angehörige der CIOAC-Histórica. Sie waren mit dem einverstanden, was mit unserem Compañero Maestro Galeano gemacht wurde. Wochen nachdem sie das mit dem Compa Maestro Galeano gemacht hatten, waren dies Brüder dann bereits Ex - Cioaquistas. Obwohl sie früher bei der CIOAC waren, wollen sie das jetzt nicht mehr sein. Sie selbst haben das entschieden, wegen politischer, parteipolitischer Differenzen, ideologischer Differenzen in den Projekten. Und dann haben diese Brüder gedacht, dass es besser ist, sich zurückzuziehen, denn wir wollen uns nicht gegenseitig ermorden. Und so gingen sie auf einen Grund, der seit 1994 wiedergewonnen ist, dorthin sind diese Brüder geflüchtet, weil sie mit Gewalt aus ihrer Comunidad vertrieben wurden.

Es gibt also keine Rücksicht mehr. Die Anführer der Sozialorganisationen sind dafür oft verantwortlich. Sie lassen es zu, sie verkaufen sich, und daher ist es nötig, dass sich die Männer und Frauen dieser Organisation auch organisieren.

Daher sagen wir, so wie es ist, ist es katastrophal. Wie die Regierung diese Comunidades der Parteianhänger behandelt, das werde ich euch gleich erzählen. Es geschah vor ca. einem Monat oder vor eineinhalb Monaten. Da sagte die Regierung, dass sie das Sozialprojekt kürzen werden, denn in den Comunidades geben sie Stipendien, obwohl die Schüler weder lesen noch schreiben können. Jedem Schüler und jeder Schülerin gaben sie tausend oder tausendzweihundert Pesos. Die Eltern, die zum Beispiel vier Kinder in der Schule haben, erhalten so ihre fünftausend Pesos und sie waren bereits daran gewöhnt die Väter und Mütter, das zu bekommen.

Vor ca. 1 Monat oder eineinhalb Monaten war es nun so, dass die, die 4 Kinder in der Schule haben und ihr Stipendium bekommen, die bekommen jetzt 800 Pesos für alle vier und daher sagen sie, sie haben uns beschissen. Ja klar Brüder, sie haben euch beschissen. Was sollen wir euch sagen? Und dann, denn das ist die Art der Indigenen, wie wenn es ein Handy wäre, schnell kommunizieren sie unter sich. Wenn jemand verschwunden ist, ist die Comunidad sofort darüber unterrichtet, wenn jemand krank ist, dann wissen das ganz ganz schnell alle. Also wie gesagt, das funktioniert wie ein Telefon, die Information erfolgt ganz schnell.

Gut, wir mit den Compas aus den Dörfern, mit den Basisgruppen, wir machen Besprechungen, wo wir erklären, dass es ganz schlimm kommen wird und nicht nur für uns Indigene allein, sondern in ganz Mexiko, am Land und in der Stadt, und nicht nur in Mexiko. Und dann ist es so, dass wir Zapatisten Verwandte haben, die keine Zapatisten sind. Es gibt welche, die sind gut, die Verwandten meine ich und es gibt solche, die mit uns nichts zu tun haben wollen. Und sie sind es, die miteinander sprechen, die Basisgruppen also, denn sie wissen, wer versteht, jene, die nicht gegen uns sind und denen erzählen sie über die Situation. Und das geht um wie ein Lauffeuer, dass es ganz schlimm kommen wird, und dann beginnen auch sie zu erzählen. Dass bereits die Frau Magister sowieso gekommen ist, der Herr Magister XY, sie haben uns bereits die Rechnung präsentiert. Da kommt dann die Information heraus.

Das ist der Teil, den wir gestern verlesen haben, dass sie uns fragen, was sie machen sollen. Und was wir sagen lautet: organisiert euch Brüder.

Aber was machen wir in dieser Organisation? Denkt nach darüber.

Aber wie sollen wir es anstellen um nachzudenken? Wie du lebst und so weiter.

Und das andere was wir im Leben der Parteianhänger sehen ist, dass Kinder, die Buben, die Mädchen nicht daran schuld sind. Abgesehen davon, dass die Regierung schlecht orientiert, sind die Kinder verwahrlost. Wer weiß, was mit ihnen eines Tages passieren wird? Oder werden sie aufwachen, wenn sie merken, was los ist, aber dafür – so glauben wir - müssen noch viele Dinge geschehen. Sie werden Diebe werden, Banditen, sie werden Mais und Bohnen klauen, alles, denn so sind sie drauf, schlimmer als Drogenabhängige. Es gibt Comunidades, die sind wirklich Marihuana-Raucher, ehrlich, ich lüge nicht. Daher sage ich, dass dort die Kinder, die Mädchen und Buben so sind, wie wenn sie verlassene Hühner wären.

Das was ich euch erzähle ist das, was wir erleben, wo wir leben. Ihr wisst, wie man bei euch lebt. Das einzige was wir sagen ist, dass es notwendig ist, in der Praxis anzuwenden, was wir im Kopf ausdenken, sonst werden wir nur reden und reden und reden. Es ist vielleicht kein gutes Beispiel wenn ich über die Gläubigen spreche. (Unhörbar) ist ihnen bereits entglitten, aus der Bibel, wie sie sagen, weil sie so viel lesen und lesen und lesen, und verstarb, und es heißt Gerechtigkeit, es heißt Freiheit, Schluss mit der Ungerechtigkeit, aber das sind nur Worte. Und die Politiker, die machen es ebenso.

Daher sagen wir ihnen nicht, Compañeros, Compañeras, Brüder, Schwestern, wir sagen nicht, dass sie sich bewaffnet erheben sollen, wir sagen auch nicht, dass sie dieses Beispiel nehmen sollen, oder jenes kopieren sollen. Nein. Jeder muss sein Territorium sehen, was man dort machen kann, aber es ist nötig, dass wir die Praxis angehen.

Wenn wir zum Beispiel diese Phrase sagen, dass das, was wir errichten wollen für Jahrhunderte oder für immer ist. Da sagen wir dann: wie werden wir das machen? Wenn die Kämpfer, die alten Zapatisten nicht ihre Kinder vorbereiten, das heißt, die neue Generation, jene die jetzt 19 oder 20 Jahre alt sind, dann kommt in 50 oder 60 Jahren der Enkel vom General Absalón Castellanos Domínguez, Ex-General, Ex–Gouverneur von Chiapas zurück und der wird wieder in den Comunidades befehlen, wenn sich diese Generation nicht vorbereitet. Und so muss diese Generation die nächste vorbereiten, damit das über die Jahrhunderte und für immer andauert, sonst wird daraus nichts.

Eine der Grundlagen des wirtschaftlichen Widerstands von uns Zapatistinnen und Zapatisten ist die Mutter Erde. Die Häuser die die schlechte Regierung schenkt haben wir nicht, auch keine Blocks, aber wir haben ein Gesundheitssystem, ein Schulsystem, wir sind damit beschäftigt, dass das Volk regiert und die Regierungen gehorchen.

Wenn ich darüber nachdenke, was ich euch sagen will, dann ist da eine Sache und zwar wie es uns wirtschaftlich geht und die andere, wie wir regieren. Es ist schwer für mich, das zu erklären, denn die Art und Weise, wie das die Compas machen, ist nicht nur eine einzige.

Beispiel: in einigen Kollektiven der Compas, wenn die Zeit des Verkaufs kommt, sei es der Mais, seien es die Bohnen oder die Rinder, dann machen es die Compas so, dass sie sich als Kollektiv organisieren und dann - sagen wir es so - tun sie so, als ob sie ein Coyote (Zwischenhändler) wären, um mit dem echten Coyote den Preis zu treiben. Zum Beispiel, wenn ich Zapatist bin und der Compa ist der Kaffeekäufer, oder der Viehkäufer oder Maiskäufer, dann ist, so glaube ich, jetzt der Kilopreis des Kaffees 23 Pesos. Ich als Zapatist erfrage, wie viel und wo der Coyote kauft, und wenn er um 40 Pesos verkauft und hier um 23 Pesos kauft, dann weiß ich, wie viel er verdient. Ich mache auch die Rechnung was der Transport kostet und wie viel ich den Preis erhöhen kann, wenn er 23 Pesos zahlt, dann muss ich 24 zahlen. Und so agieren die zapatistischen Compas und auch die Parteianhänger und so hat dann der Coyote keine Klienten mehr. Wenn der Coyote dann hört, dass ich 24 Pesos zahle und er 23, dann beginnt er wieder mit mir zu konkurrieren und er zahlt 24. Und da macht dann der Zapatist nochmals seine Rechnung, es geht noch und jetzt geht es auf 25 Pesos. Das ist die Konkurrenz im Stil Coyote zu Coyote. Habt ihr mich verstanden? Das ist der Kampf.

Gleichzeitig sagen die Parteianhänger: seht, die Zapatisten zahlen mehr, um einen Peso mehr. So ist das, so ist das Leben in den Comunidades. Daher sage ich, es gibt nicht nur eine Form, wie es gemacht wird, wir sind auf der Suche. Und das hat auch mit der Ökonomie einer autonomen Autorität zu tun.

Zum Beispiel: in der Autonomie funktionierte alles bestens bezüglich Gesundheitsversorgung, bezüglich Erziehung, bezüglich Agroökologie oder in den drei Bereichen, wie es die Compas nennen, das sind die Knochenheilung, die Geburtshilfe und die Heilpflanzen. Aber wenn es Projekte gab und Spenden von unseren solidarischen Compañeros und Compañeras kamen und wenn diese Spenden zurück gingen oder das Projekt der NGO endete, dann begann die Organisation der Konstruktion der Autonomie schwächer zu werden, das heißt im Bereich Gesundheit und Erziehung.

Und da haben wir wieder bemerkt, dass wir Fehler gemacht hatten, denn – um es irgendwie auszudrücken – wir geben nur gerne aus, sonst nichts, denn es ist nicht unser Schweiß, wie die Compas es ausdrücken. Denn wenn einer etwas mit dem eigenen Schweiß schafft, dann passt er gut darauf auf, dann vergeudet er nichts. Und so haben wir gemerkt, dass das nicht richtig war, dass wir das korrigieren mussten.

Als wir mit der Korrektur begonnen haben, tauchte ein anderes Problem auf. Viele der Dinge die wir machen, wie wir uns organisieren, glaubt nicht dass es deshalb ist, weil wir eine gute Phantasie haben, weil wir super sind oder was sonst noch. Nein Compañeros, Compañeras, Brüder und Schwestern. Im Laufe der Dinge schaffen wir, erfinden wir. Wie die Probleme auftauchen, so lösen wir sie, aber wir geben nur nicht auf. Das ist es, wir lassen es nicht sein, wir lösen das Problem, und der Vorteil ist der, dass wir selbst es lösen, wir hängen von keiner Instanz der Regierung ab. Wenn es uns schlecht geht, dann geht es uns allen schlecht. Wenn es uns gut geht, dann geht es uns allen gut.

Wie ich euch gesagt habe, bei den Projekten, bei den Spenden, da mussten wir korrigieren, und als wir die Form fanden, wie wir das korrigieren, da hat denen, die das Projekt suchen, das nicht mehr gefallen. Denn wir sagten: wir werden reproduzieren müssen, man kann nicht nur ausgeben, wir müssen darüber nachdenken, was wir reproduzieren werden, damit eines Tages, wenn es keine Projekte, keine Spenden von Seiten unserer solidarischen Brüder und Schwestern, Compañeras und Compañeros mehr kommen, dann müssen wir wie früher widerstehen können.

Dort ist der Irrtum. Den Fehler, den wir im ökonomischen begangen haben erweckte in uns die Erinnerung an die vergangenen Zeiten im Untergrund, denn damals haben wir Kliniken im Untergrund gebaut, und wir konnten uns nicht einmal vorstellen, dass wir eines Tages Compañeros und Compañeras aus dem asiatischen Kontint kennenlernen würden, aus den fünf Kontinten kann man sagen, wir träumten nicht mal davon. Trotzdem, wir schafften es. Nicht dank der Solidarität sondern mit Schweiss. Da begannen wir, den Compañeros das zu erzählen, das wird wiederaufgenommen und wir begannen zu arbeiten, und so machen wir es jetzt.

Daher sagen wir, dass wir uns umerziehen, umorganisieren wegen des bevorstehenden Unheils. Tatsächlich, Compañeros und Compañeras, wir könnten euch so viele Dinge erzählen. Die Dinge sind nicht so einfach, aber nur dass ihr es wisst, der Punkt ist, dass wir nicht aufgeben.

Die kollektive Arbeit, über die ich euch erzählen werde, die machen wir seit zwei oder drei Monaten. Denn wir reorganisieren uns, wir sind dabei uns umzuerziehen und daher müssen wir hart an der Gemeinschaftsarbeit werken, damit wir etwas haben, womit wir uns bewegen können oder wie wir kämpfen können.

Bei den Versammlungen der Compas, in den Dörfern, Regionen, Gemeindebezirken und Zonen kommt es vor, dass ein zapatistischer Compa sagt: Compañeros, Compañeras, ich werde bei der Gemeinschaftsarbeit nicht mitmachen, denn das bringt mir nichts, damit kann ich weder Salz noch Seife kaufen. Aber das heisst nicht, dass ich den Kampf nicht fortsetze, ich werde weiterhin Zapatist sein und wenn es nötig ist, einen Beitrag für den Kampf zu leisten, dann bin ich damit einverstanden zu unterstützen.

Darauf sagen die anderen Compas: du bist im Irrtum Compa, mit dem was du sagst. Du musst daran denken, wer du bist, ein Zapatist, denn hier diskutieren wir nicht nur über die Gemeinschaftsarbeit, hier diskutieren wir grundsätzlich ueber das Zapatist-Sein. Der Zapatist muss für alles bereit sein. Wenn du sagst, dass du nicht bei der Gemeinschaftsarbeit mitmachen willst, weil das drei, vier oder fünf Tage dauert, was wäre dann erst, wenn du dran kommst, autonome rebellische zapatistische Autorität zu sein. Das ist ein Dienst, der dauert 3 Jahre. Dagegen dauert die Gemeinschaftsarbeit nur drei, vier oder fünf Tage. Denk nach, was du gesagt hast.

Und in der Versammlung erhebt sich dann der Sohn dieses Compa und der sagt: so ist mein Vater. Mein Vater sagt – dieser Compa ist Gesundheitspromotor – dass ich nur den Namen nach Gesundheitspromotor sei, dass ich nicht mal weiss, wie man ein Aspirin verschreibt. Ja, das sagt mein Vater, denn er möchte, dass ich meine Stelle als Gesundheitspromotor aufgebe und dass ich zum studieren weggehe - das heisst weg von der autonomen Schule und dass der Compa irgendwo hingehen solle -. Weiters sagt der Compa Promotor: und immer wenn mein Vater krank wird, kommt er und verlangt von mir Tabletten.

Ich erzähle euch das alles Compas, damit ihr seht, dass der Punkt der ist, nicht aufzugeben, der Punkt ist, nicht nur etwas zu reden. Man muss Stellung beziehen, etwas tun, suchen, erfinden, schaffen. Das ist es.

Vielleicht habt ihr euch auch etwas vorgestellt, wenn wir sagen, dass wir die Mutter Erde bearbeiten. Ihr habt es vielleicht sogar gesehen, eure Beschützer und Beschützerinnen haben euch vielleicht hingeführt. Sagen sie nicht, sie bearbeiten die Erde,die Zapatisten? Sie wandern doch nicht aus die Zapatisten? Deshalb habe ich euch das Beispiel dieses Compas der Unterstützungsbasis erzählt, darüber, dass er keine Gemeinschaftsarbeit leisten will, da entstehen dann die Probleme. Einer selbst schliesst sich so aus, er weist sich selbst aus. Denn Zapatist sein heisst, dass du alles mitmachen musst und da gibt es welche, die nicht mehr wollen und dann gehen sie. Und die die gehen, die wollen nicht mehr am Kampf mitmachen, das heisst, sie haben die Organisation verlassen.

Daher zahlen wir, von dem wenigen das wir ökonomisch erwirtschaften keinen Strom, kein Wasser, keine Grundsteuer, nichts. Aber wir erhalten auch nichts vom System. Und wie ich schon sagte und nur um zu wiederholen, hier mit unserer kollektiven Arbeit in der Zone, der Region, dem Gemeindebezirk oder im Dorf, machen wir das mit dem Blick darauf, dass wir uns eventuell mobiliseren müssen um andere Brüder und Schwestern, Compañeras und Compañeros zu unterstützen. Niemals aber um von der Regierung zu verlangen, dass sie ihre Versprechungen erfüllt, dafür geben wir keinen Cent aus.

Und von dem was wir weiterhin erzählen werden, der Punkt wo wir sind, was wir machen wollen und wie wir denken, dass wir das tun werden ist der, dass es bereits die Compas sind, die Menschen, die Autorität sind, die befehlen, die entscheiden. Wir hängen nicht von der Regierung ab. Und diese unsere Art so zu sein, das werden wir weiterhin ausführen, kämpfend und wir werden dafür sterben, wenn es nötig ist, um das zu verteidigen, wo wir jetzt sind.

Subcomandante Insurgente Moisés

>a href=" http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2015/05/04/economia-politica-desde-las-comunidades-i-subcomandante-insurgente-moises-4-de-mayo/">Quelle
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Neues vom Röster

Mittwoch, 27. Mai 2015

Der Röstkaffee Libertad ganze Bohne und gemahlen und die Espressi Durito und Rebeldia sind frisch vom Röster einetroffen. Unsere zapatistischen Sorten sind zur Überbrückung und aufgrund starker Ernteausfälle bei den zapatistischen Kooperativen vorübergehend ein Blend mit Rohkaffee der zapatistischen Kooperativen Yachil und Yochin aus Chiapas und Juantama aus Kolumbien. In der aktuellen Röstung ist einmalig auch Rohkaffee der Cooperativa Agraria Cafetalera aus Peru beigemengt. Sobald unsere Importe abgeschlossen sind informieren wir euch ausführlich über die neuen Preise und Kooperativen und die Entwicklung der zapatistischen Kaffeekooperativen.
Geschrieben in News von Café Libertad
Samstag, 04.04.2015
18:00 Uhr
Achtung: Nochmalige Raumänderung! Die Veranstaltung findet nun statt im Cafe Knallhart an der HWP


144 Jahre nach der Pariser Kommune rückt die Idee kommunalistischer Organisierung wieder stärker ins Interesse der Menschen in Europa, Nahost und Lateinamerika.

Seit der erfolgreichen Verteidigung Kobanês durch die Volksverteidigungskräfe YPG und YPJ ist die Praxis der Selbstverwaltung der kurdischen Kantone Rojavas mit ihrem Ansatz der Demokratischen Autonomie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Schon seit Jahren praktizieren die zapatistischen Gemeinden der EZLN die autonome Selbstverwaltung im Süden Mexikos nach einem ähnlichen Modell. Viele haben sich schon die Köpfe zerbrochen, wie diese Konzepte in unseren europäischen kapitalistischen Gesellschaften anwendbar sein könnten. Eine direkte Übertragung ist ausgeschlossen.

Im Zuge der griechischen Krise sind in Griechenland viele kollektive Strukturen entstanden, wie z.B. Kooperativen auf ökonomischem Gebiet oder politische Gruppen für Ökologie oder Migrant*innen-Rechte oder Antifa. Eine Gruppe von der Insel Kreta versucht nun regional diese Strukturen über eine Plattform zu verbinden und zu organisieren. Ihr Modell und ihre Erfahrungen und Perspektive bei der Organisierung wollen sie mit interessierten Leuten diskutieren und weiterentwickeln.

Auf der Konferenz "Demokratische Moderne herausfordern 2" (http://networkaq.net ) nehmen sie am Podium am Samstagvormittag teil. Am Nachmittag wollen sie Raum bieten, darüber weiterzudiskutieren

Café Libertad Kollektiv unterstüzt diese Veranstaltung und die Anreise der Referent*innen. Der Raum kann sich evtl. noch ändern, wird dann aber ausgehängt. Auf dem Kongress selbst sind wir am Freitag den 3. April am Kaffestand mit Kolleg*innen von El Rojito zu finden.
Geschrieben in News von Café Libertad
becollective, Gemeinsam auf Kreta

Solidarität mit politischen Bewegungen in Griechenland ließ sich bei den kraftvollen Demonstrationen gegen die Eröffnungsfeierlichkeiten der EZB in Frankfurt am 18. März demonstrieren. Auch wir waren mit einer kleinen Delegation bei diesem Fest des Protestes vor Ort. Wichtig ist aber auch die langfristige Unterstützung von Kooperativen, Formen der Selbstorganisierung und politischen Strukturen.

Becollective verbindet den Aufbau ökonomischer Alternativen und selbstbestimmter Arbeit dabei mit einem politischen Solidaritätsprojekt. Denn zwei Euro des kollektiv produzierten Olivenöls gehen zur Streikunterstützung in umkämpften Betrieben, an anarchistische Projekte, für Gefangene oder Proteste gegen die europäische Austeritäts- und Krisenpolitik.

Um die Einnahmen der Becollective Aktivist*innen in Griechenland zu verbessern und diesen ein besseres Leben in Zeiten der Krise zu ermöglichen, wurde die Menge des Solidaritäts-Olivenöl beim gleichen Verkaufspreis von 12. - Euro von 01 l auf 0,75 l gesenkt.

Beim Bio-Olivenöl der Kooperative „Gemeinsam auf Kreta“ sind u.a. höhere Transportkosten als bisher kalkuliert angefallen. Die Menge bleibt bei dieser Sorte beim gewohnten 1 l Kannister, der Preis steigt allerdings auf 13,50 Euro.

Beide Öle sind sehr hochwertig. Das Bio-Olivenöl hat eine kräftige, olivige Note, dass Solidaritäts-Öl ist etwas milder und eignet sich besonders für die Enfaltung von Kräutern. Wir stehen mit Aktivist*innen in Griechenland weiter in Kontakt und halten die Augen offen nach Produkten, um die Autonomie von Kollektiven und Kooperativen gegen die europäische Krisenpolitik zu stärken.

Café Libertad Kollektiv unterstützt zudem die Anreise von Genoss*innen aus Kreta zur Konferenz "Demokratische Moderne herausfordern 2" die vom 3.- 5. April im Audimax der Universität Hamburg stattfindet.

Im Zuge der griechischen Krise sind in Griechenland viele kollektive Strukturen entstanden. Eine Gruppe von der Insel Kreta versucht nun regional diese Strukturen über eine Plattform zu verbinden und zu organisieren. Ihr Modell und ihre Erfahrungen bei der Organisierung, wollen sie mit interessierten Leuten in Griechenland und Hamburg diskutieren und weiterentwickeln. Neben der Teilnahme an einem Podium am Samstagvormittag im Audimax, soll es die Möglichkeit zur weiteren Diskussion bei einer Extra-Gesprächsrunde geben, die voraussichtlich um 18 Uhr stattfindet.

Wir halten euch auf dem Laufenden...

Solidarische Grüße
Cafe Libertad Kollektiv
Geschrieben in News von Café Libertad
La Realidad

Das Fray Bartolomé de Las Casas Human Rights Center (Frayba) in San Cristobal beklagt derzeit ein systematisches Eindringen der mexikanischen Armee in das Territorium des Caracols La Realidad.

Die militärischen Aktionen wurden durchgeführt von Konvois die aus Lastwagen, Jeeps und gepanzerten Jeeps bestanden, mit 4 bis 30 Militärangehörigen. Hinzu kamen Überflüge mit Flugzeugen und Hubschraubern, die Aufklärungsmissionen unternahmen und Angehörige von internationalen Beobachtungsbrigaden, Zapatistas und deren Gebäude filmten und fotografierten. Diese Art von Aktionen nimmt seit Juli 2014 an Umfang und Häufigkeit zu und wurde nun ausführlich dokumentiert.

Wir fordern die Autonomie der zapatistischen Gemeinden zu respektieren und ein Ende der militärischen Eskalation und Präsenz durch die Bundesregierung und mexikanische Armee.

Am 2. Mai 2014 gerieten Mitglieder des Central Independiente de Obreros Agrícolas y Campesinos Histórica (CIOAC-H), in einen Hinterhalt beim Besuch einer zapatistischen Unterstützungsbasis im Gebiet von La Realidad; Durch den Angriff einer bewaffneten Gruppe wurde José Luis Solis Lopez ermordet, "Maestro Galeano," und eine Autonome Klinik und Schule zerstört. Die lokale Polizei, Armee und Regierung ist in Mexiko beteiligt an Vertreibungen und Morden. Landesweit finden aktuell Proteste statt gegen die Praxis des verschwindenlassens und die Korruption von Behörden und Politik.

Solidarität mit den aufständischen, zapatistischen Gemeinden in Chiapas!

Dokumentation: http://radiozapatista.org
Geschrieben in News von Café Libertad

Aus dem besetzten Stadtteilzentrum Rote Flora in Hamburg wird zu einer großen Solidaritätskampagne aufgerufen, an der sich auch Café Libertad Kollektiv mit einem zeitlich begrenzten Solidaritätskaffee von zapatistischen und widerständigen Kooperativen beteiligt.

Im Sommer 2015 wird es eine große Sommerbaustelle mit 50 Wandergesell*innen und anderen Handwerker*innen geben. Geplant ist u.a. die Erneuerung des Anbaus, die Sanierung des Vordachs/Balkons, eine Sanierung der Dachanschlüsse und Fassadensanierung. Mit diesem Schritt soll nach der Verhinderung einer drohenden Räumung der Kampf für den Erhalt des Gebäudes nun auch auf anderer Ebene fortgeführt werden.

Den Solidaritätskaffee Störtebeker gibt es hierzu in einer ressourcenschonenden Großpackung für Voküs, Camps und Wohnprojekte mit einem Förderbeitrag von 2.- Euro pro kg für die Instandsetzung der Roten Flora.

Das Etikett ist eine historische Momentaufnahme während der Besetzung der Roten Flora vor 25 Jahren. Im Vordergrund ist der bekannte Hamburger Fotograf Erich Anders zu sehen. Dieser war von den 30iger bis in die sechziger Jahre hinein Hausfotograf im ehemaligen Flora-Theater. Er ist 1992 mit über 90 Jahren gestorben. Das Foto wurde uns solidarisch von Günter Zint / PANFOTO.de zur Verfügung gestellt, der mit Erich Anders eine Biografie schreiben wollte.

Die Störtebeker-Mischung für den Widerstand besteht aus Caracolillo-Bohnen der zapatistischen Kooperative Yachil in Chipas/Mexiko und Rohkaffee von CoopeAgri in Costa Rica. Durch die Großpackung spart ihr nicht nur Verpackungsmüll, sondern unterstützt aktiv den Kampf für den Erhalt der besetzten Roten Flora. Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten die Baustelle zu unterstützen.

In einem Aufruf an die Bewegung formulieren die Aktivist_innen, dass die Finanzierung der Baustelle eine große Herausforderung darstellt, obwohl alle Beteiligten unbezahlt arbeiten. Insbesondere das Baumaterial wird aus eigener Kraft nicht zu finanzieren sein: „Wir bauen hier auf EUCH! Seid Multiplikatoren, organisiert Partys, macht Solitresen, spielt Konzerte, spendet und sammelt Spenden – werdet kreativ! Lasst uns die Sommerbaustelle möglich machen!" Café Libertad Kollektiv schließt sich dieser Aufforderung an und hat gemeinsam mit dem Solidaritätsprojekt St. Pauli Roar 1644.- Euro an Fördermitteln als Soforthilfe bereitgestellt.
Weitere Infos und vor allem die Möglichkeit zu eigenen Spenden für die Sommerbaustelle findet ihr hier:
http://florabaut.noblogs.org

Geschrieben in News von Café Libertad